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4K-Präsentation: 4K-Fernseher Toshiba 55 ZL 2G

Digitalkinos spielen 4K-Filme als kopiergeschützte DCP-Dateien (Digital Cinema Package) ab. Dafür geeignete Digital-Cinema-Projektoren mit Breitband-Anschlüssen etwa von Barco oder Panasonic kosten sechsstellig. Ein günstigeres 4K-Gerät gibt es mit dem Sony VW 1000 für 19 000 Euro im Homecinema- Markt. Toshiba liefert sein 4K-Modell für 8000-Euro.

Das Topmodell von Toshiba ist mit allem ausgestattet, was moderne TV-Geräte bieten. Zum Beispiel einem Internet-Service unter dem Namen „Toshiba Places". Auch Rechner oder Smartphones finden bequem Anschluss. Für den hohen Preis ist aber ein handverlesenes Display höchster Auflösung verantwortlich: Es hat 140 Zentimeter Bilddiagonale, und seine 3840 x 2160 Pixel sind eine Herausforderung für die Hersteller von LCD-Scheiben. Sogar in diesem Fall muss auf das Panel eine zweite Schicht geklebt werden. Sie enthält Mikrolinsen und eine Flüssigkristall-Schicht, welche diese Linsenfolie ein- oder abschaltet. Eingeschaltet bedeutet 3D-Betrieb, ausgeschaltet volle 4K-Bildqualität. Passt diese Verklebung im Mikrometerbereich nicht exakt, entstehen als Schlieren sichtbare Moiree-Störungen. Toshiba baut diesen Fernseher in mühsamer Kleinserie.

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In den vier Rahmenfeldern ist die Wahrscheinlichkeit guter 3D-Wiedergabe besonders hoch. Ein dunkelblaues Erkennungsfeld zeigt dem Zuschauer an, dass er in einem passenden 3D-Bereich sitzt. Liegt er daneben, erscheint das Fenster hellblau.

4K-Qualität
Unser Test der 4K-Qualität in den Redaktionsräumen war simpel: Frank Eschholz, der technische Produktmanager von Toshiba brachte ein Kästchen mit, in dem 4K-DCP-Dateien gespeichert waren. Über die Service-Schnittstelle dockte es an den Fernseher an, und wir staunten über den Qualitätsgewinn wie seinerzeit bei der ersten hochwertigen Full-HD-Präsentation: Wir drückten uns buchstäblich die Nase am Fernseher platt, entdeckten aber noch immer neue Details statt Pixelstrukturen. Zudem erzeugt der 55 ZL 2G einen hohen Schwarzkontrast, so dass die Szenen knackig und fast räumlich wirken. Wegen des geringeren Betrachtungsabstandes, der durch die kleineren Pixel möglich ist, ist das Bildfeld größer. Unserem Gehirn erscheint das Bild durch die höhere Auflösung auch realer.
Die 4K-Kamera GY-HMQ 10 von JVC anzuschließen war aber unmöglich. Dazu bedarf es eines speziellen Signal-Umsetzers. Doch den gibt es nur in Japan – und auch dort nur in homöopatischen Mengen. Wer selbst 4K-Material anschauen will, ist auf die USB-Schnittstelle angewiesen.

Doch über die nimmt der Fernseher in seiner aktuellen Software- Version nur Fotos an. Zwischenfazit: Tolle Videoqualität, brillante Fotowiedergabe – 4K-Video ist aber noch nicht marktreif. Toshiba hat denn auch ganz andere Ziele:

Die 3D-Anwendung

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Die Pixelmaske des 55 ZL 2G zeigt winzigste Bildpunkte. Die 9er-Gruppierung ist zu erahnen - auch ohne eingeschaltete 3D-Schicht.

Der 55 ZL 2G ist eine Technikstudie zur Realisierung von 3D-Vorführungen ohne Brille. 4K-Auflösung und die Möglichkeit, räumliches Fernsehen für Gruppen zu realisieren, hängen zusammen. Toshiba greift dafür gleich vier Mal in die Trickkiste:

1. Neun Teilbilder: Das Bild wird in einer Matrix von 3 x 3 Sub-Pixeln in neun Teilbilder aufgeteilt. Ein solcher Neunerblock erzeugt einen einzigen Pixel eines 3D-Bilds. Die Auflösung ist also horizontal wie vertikal gedrittelt. Das entspricht einer HD-Präsentation von 1280 x 720 Pixeln – exakt das HD-Format der deutschen TV-Anstalten. Wie bei Lentikular-Displays, die an 3D-Camcordern zu finden sind, erzeugen die neun Ebenen verschiedene Winkel desselben Bilds, die jeweils von einem Auge empfangen werden. Bei den Kameradisplays sind es nur zwei Bilder – eines für links, das andere für rechts. Deshalb sieht den 3D-Effekt nur, wer mittig und im richtigen Abstand aufs Display schaut. Das ist fürs Wohnzimmer zu eingeschränkt.

2. Neun Auszüge: Darum erzeugt der Powerprozessor zu den beiden 3D-Informationen des Films sieben weitere Bilder in Echtzeit, für jedes Pixel der Neunergruppe eines. Dieses strahlt er artig im passenden Winkel in den Raum hinaus – immer so, dass der Abstand zur nächsten Pixelebene 6,3 Zentimeter beträgt. Das ist der typische Augenabstand. Neun Ebenen reichen für acht Augenpaare nebeneinander. 8 x 6,3 ergibt 50,4 Zentimeter 3D-Betrachtungs-Spielraum. Danach bricht die 3D-Wahrnehmung zusammen, denn nach Ebene 9 kommt wieder Ebene 1 mit unpassendem Bild.

3. Das Kameraauge: Im Fernseher steckt eine Kamera für die Personenortung im Raum. So stellt der Fernseher die Winkelabstände der neun Ebenen auf den Kopf der am nächsten sitzenden Person ein. Andersherum würde der Abstand für die vorderen Personen zu groß werden – der 3D-Eindruck zerfiele. Wer hinten sitzt, erhält dadurch aber einen abgeschwächten 3D-Eindruck. Ausgeklügelte Menüs weisen nun den anderen Personen ihren Platz zu, der mindestens 50,4 Zentimeter entfernt ist. Bis zu fünf Personen kann der Fernseher erkennen. Wer sich nicht gut aufgehoben fühlt, macht einen 3D-Check: Erkennt er im oberen Bildrand drei grüne Kreise, stimmt seine Position.

4. Die Ansteuerung: Geheimnisvoll bleiben Aufbau und Ansteuerung der Linsen oder Prismen mittels der zwischenliegenden Flüssigkristallschicht. Sie muss die Winkelsteuerung für verschiedene Betrachtungsdistanzen (2 bis 5 Meter) bewerkstelligen. Wie dies funktioniert, darüber schweigen alle Unterlagen.

Der Eindruck

Fakt: Es funktioniert! Wer in richtiger Höhe als Vorderster vor dem TV sitzt, erhält eine recht gute 3D-Darstellung, Seitlich- oder Hintensitzer haben es deutlich schwerer. Was auffiel: eine deutlich blassere und eingeschränktere Farbgebung im 3D-Betrieb – auf Brillen-TV wirkt das Bild knackiger und enthält mehr Tiefe. Auch die Kalibrierung auf die Zuschauer und das Nachstellen bei Positionsveränderung ist lästig. Die eigentliche Sensation ist aber die 4K-Qualität, die möglichst bald auch für Videoquellen zugänglich gemacht werden sollte.

 
 



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