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Rechtsratgeber: Bildrechte wirksam einholen

Wann darf ich Personen ungefragt aufnehmen? Die Frage taucht in dieser Kolumne und allgemein bei Veranstaltungen und Festlichkeiten immer wieder auf. Unser kleiner Leitfaden erklärt, wie man rechtliche Probleme umschifft.

Bei der Abbildung von Personen ist immer das Recht am eigenen Bild der Abgebildeten zu beachten. Zwar gibt es Ausnahmen (Personen als Beiwerk, Personengruppen auf Veranstaltungen oder Abbildung von Prominenten im Falle zul√§ssiger Berichterstattung), f√ľr die es keiner gesonderten Erlaubnis bedarf. Wer aber kein Risiko eingehen m√∂chte, sollte sich stets die Einwilligung einholen. Wie dies geschehen kann, schildert der folgende Leitfaden:

1. Schriftlich: Der sicherste Weg ist eine schriftliche Fixierung in Form eines kurzen Vertrages. Wenn eine Verbindung zwischen Kameramann und den abgebildeten Personen besteht, etwa die gemeinsame Mitgliedschaft in einem Verein, kann auch in einem generellen Vertrag (der Vereinssatzung etwa) das Einverst√§ndnis festgelegt sein. Eine solche Klausel k√∂nnte so aussehen: ‚ÄěDie Mitglieder des Vereins erkl√§ren hiermit ihr Einverst√§ndnis zur Erstellung von Bildaufnahmen ihrer Personen im Rahmen von Veranstaltungen des Vereins sowie zur Verwendung und Ver√∂ffentlichung solcher Bildnisse zum Zwecke der √∂ffentlichen Berichterstattung √ľber das Vereinsleben.‚Äú Wichtig ist jedoch, dass der Vertragsinhalt auch tats√§chlich angenommen, also unterschrieben, wurde. Es w√§re nicht ausreichend, wenn nur ein Aushang in Form einer Hausordnung oder allgemeiner Gesch√§ftsbedingungen erfolgt, da hier unklar ist, ob jeder dies zur Kenntnis nimmt und akzeptiert.

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Gerade bei 360-Grad-Aufnahmen ist Vorsicht geboten, denn hier ist nicht nur die Theatertruppe im Bild, sondern dann auch das Publikum. Die Reaktionen auf die entsprechende Ank√ľndigung der Videoaufnahme sollte man gleich mit aufzeichnen. (Bild: Joachim Sauer)

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Matthias Straub ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt im Musik-, Urheber- und Medienrecht in der eigenen S√ľdkanzlei Straub Straub in Ludwigsburg

 

2. M√ľndlich: Auch die m√ľndliche Einwilligung ist m√∂glich. Die Person, die erkl√§rt hat, mit der Verwendung und Ver√∂ffentlichung der Bilder einverstanden zu sein, hat wirksam eingewilligt. Das kann vor, w√§hrend oder nach der Aufnahme geschehen. Der Nachweis einer solchen m√ľndlichen Einwilligungserkl√§rung und ihr Umfang ist im Zweifel allerdings schwierig. Zeugen k√∂nnen da ein taugliches Beweismittel sein. Bei Filmaufnahmen kann man diese Erkl√§rung aber einfach direkt vor oder nach der eigentlichen Aufnahme mit aufzeichnen.

3. Konkludent (durch schl√ľssiges Verhalten): Auch ohne sich konkret zu √§u√üern, kann eine Person ihre Einwilligung ‚Äěerkl√§ren‚Äú, indem sie sich f√ľr Aufnahmen zur Verf√ľgung stellt, bei denen klar ist, dass sie nicht allein privaten Zwecken dienen. Wie bei der m√ľndlich erkl√§rten Einwilligung ist es aber mitunter schwierig zu beweisen, f√ľr welche Art und welchen Umfang der Verwertung die Einwilligung erteilt wurde. Wichtig ist f√ľr alle drei Optionen: Die Reichweite und der Umfang der Einwilligung sollten konkret vereinbart werden. Bestehen Unklarheiten dar√ľber, wie oder wo die Ver√∂ffentlichung erfolgen darf, gilt im Zweifel die Einwilligung nur insoweit erteilt, als dies unstreitig ist.

Ein Kameramann, der ohne schriftliche Vereinbarung alleine auf eine m√ľndliche oder konkludente Einwilligung vertraut, sollte bei der Anfertigung der Aufnahmen zumindest kurz klarstellen, wof√ľr diese erstellt und wie und wo sie verwendet werden. Er geht dennoch immer ein Risiko ein. Ein allgemeiner Hinweis, dass bei einer Veranstaltung Bilder gefertigt werden, kann m√∂glicherweise auch durch den Moderator der Veranstaltung erteilt werden. Die Ansage sollte dann die M√∂glichkeit aufzeigen, dass Personen, die mit der Erstellung und Verwendung von Aufnahmen nicht einverstanden sind, dies deutlich machen d√ľrfen, den Saal verlassen oder einfach aus dem Bild gehen k√∂nnen. Erfolgt trotz des Hinweises keinerlei ablehnende Reaktion, spricht viel daf√ľr, dass dann auch hierin eine stillschweigende Einwilligung zur Verwendung der Aufnahmen zu sehen ist.

Fazit:

Einfach drauflos filmen und hoffen, dass nichts passiert ‚Äď das ist eine gef√§hrliche Sache. Sinnvoll ist es also, sich eine schl√ľssige Routine zuzulegen. In Vereinen klappt das noch recht gut. Je willk√ľrlicher der gefilmte Personenkreis sich zusammensetzt, desto wichtiger wird der Nachweis der Einwilligung, die man also lieber aufzeichnet oder sich unterschreiben l√§sst.

(Mathias Straub/jos)

  • Wir haben inzwischen ein sehr umfangreiches Archiv an Rechtsratgebern rund um das Bild-, Urheber- und Medienrecht. Sie finden alle  √ľbersichtlich gelistet in unserem Rechtsratgeber-Kapitel!