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Rechtsratgeber: Tiere filmen

Viele unserer Leser wissen aus einem unserer letzten Rechtsratgeber, dass das Filmen von fremden Geb√§uden und erst recht von Personen rechltich nicht unbedenklich ist. Doch wie sieht es bei Tieren aus, die sich in fremdem Besitz befinden? VIDEOAKTIV beleuchtet diese Frage im neuen Rechtsratgeber und gibt Auskunft √ľber den rechtlichen Status von Tieren.  

Michael Strzeletzki filmt oft Reitturniere im regionalen Bereich. Dabei stehen dann Pferd und die Reiter im Mittelpunkt. Im speziellen Fall möchte Herr Strzeletzki eine Reiterin mit einem geliehenen Pferd auf Ihrer Webseite abbilden. Diese Webseite wird von ihm selbst erstellt. Nun hat es sich leider ergeben, dass die Pferdebesitzerin und die Reiterin, die auf dem Turnier noch das Pferd reiten durfte und dabei das Video entstand, sich zerstritten haben.

Michael Strzeletzki will wissen, ob er nun die Aufnahmen auch gegen, oder ohne Einwilligung der Pferdebesitzerin verwenden kann. ‚ÄěDas Pferd ist ja rein rechtlich eine Sache, oder irre ich hier und es bestehen auch hier Rechte der Besitzerin", meint er.

Die Antwort von Mathias Straub

Grundsätzlich darf zunächst einmal alles gefilmt werden, was Ihnen vor die Linse kommt. Ausnahmen bestehen aber immer dann wenn das Objekt Ihres Bildes ein Mensch ist oder ein Gegenstand, an dem bestimmte Schutzrechte bestehen könnten.

Menschen haben als Ausfluss ihres allgemeinen Pers√∂nlichkeitsrechts ein Recht am eigenen Bild. Somit d√ľrfen Menschen nur mit deren Einwilligung abgebildet werden, wenn nicht bestimmte Ausnahmen vorliegen (Personen der Zeitgeschichte, Menschen nur als Beiwerk auf dem Bild oder bei Versammlungen).

Mit der Abbildung der Person haben Sie aber offenbar auch kein Problem, sondern stattdessen m√∂glicherweise mit der Abbildung des Pferdes. Rein rechtlich ist das Pferd eine Sache. Zwar haben auch Tiere vor dem Gesetz bestimmte Rechte, die Sachen nicht haben. Ein Recht am eigenen Bild wird Tieren aber nicht zuerkannt. Auch der Eigent√ľmer eines Tieres kann daher aus seiner Position heraus keine Rechte am Bild des eigenen Tieres ableiten

Reiter Bild fuer Artikel

Viele Filmer fragen sich, ob man einfach ein in fremdem Besitz befindliches Tier filmen darf. In einem unserer letzten Rechtsratgeber ging es um das Filmen von Gebäuden.

 

 

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Mathias Straub ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt im Musik-, Urheber- und Medienrecht bei Riegger Rechtsanwälte in Ludwigsburg.

 

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Andere Schutzrechte, die jemandem an der Ansicht des Pferdes zukommen k√∂nnten, sind nicht ersichtlich. Bei einem Pferd handelt sich weder um ein urheberrechtlich gesch√ľtztes Kunstwerk noch um ein Design oder sonst um einen durch andere gewerbliche Schutzrechte gesch√ľtzten Gegenstand.

Bliebe schlie√ülich noch die Frage, ob es nicht generell Rechte am Bild der eigenen Sache aufgrund des jeweiligen Eigentumsrechts gibt. Das Eigentum an einer Sache erlaubt dem Eigent√ľmer die Sache grunds√§tzlich ohne Einschr√§nkung zu nutzen. In dieses Recht wird aber nicht eingegriffen, wenn die Sache lediglich gefilmt wird. Dies gilt jedenfalls f√ľr Videoaufnahmen, die an √∂ffentlich zug√§nglichen Stellen angefertigt werden, ohne dass dazu das Grundst√ľck oder Haus des Eigent√ľmers betreten wurde.

Gerade f√ľr die Au√üenansicht von Geb√§uden wurde dies wiederholt durch die Gerichte entschieden: Der Eigent√ľmer kann nicht verhindern, dass sein Eigentum in der Weise abgebildet wird, in der es ohnehin f√ľr jedermann √∂ffentlich sichtbar ist. Dasselbe gilt im hier relevanten Fall eines Tieres, jedenfalls solange das Videomaterial nicht in unerlaubter Weisen, etwa unter Umgehung des Hausrechts des Eigent√ľmers, gefertigt wurde. F√ľr den vergleichbaren Fall des Bildes einer Kuh wurde dies im √úbrigen sogar bereits durch das Amtsgericht K√∂ln entschieden (Urteil vom 22.06.2010, Az. 111 C 33/10).

 

Fazit:

Es spricht nichts dagegen, die Videoaufnahmen des Pferdes auch ohne Einwilligung des Eigent√ľmers zu verwenden.

(Mathias Straub/jos)