Schnitt-Workshop II: Handlungsschnitt, Szenenumschnitt, Zwischenschnitt und Farbgebung

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Beim Videoschnitt geht es darum, die Sinne fürs Sehen zu schärfen, damit man beim Editing gleich erkennt, wie die Wirkung aufs Publikum ist. Der zweite Workshop erklärt Handlungsschnitt, Szenenumschnitt, Zwischenschnitt – und wie die richtige Farbgebung zu einem guten Film beiträgt. Auch als Schnitt-Neuling klappt so, mit den richtigen Tipps, der Videoschnitt.
 

Ein ungeschnittener Film kann nur bedingt eine Geschichte erzählen, wenn überhaupt. Erst im Schnittprogramm erweckt der Cutter den Film zum Leben – mit Musik, Farbstimmung sowie den passenden Schnitttechniken. Das muss aber nicht den Profis vorbehalten sein. Das Beherrschen der Grundlagen des Videoschnitts führt meist schon zu tollen Ergebnissen – und ist Grundlage für weitere, ehrgeizigere Projekte.

Und das ist genau die Intention dieses Workshops: Er soll simpel und einfach erklären, woran man sich beim Videoschnitt auf jeden Fall halten sollte, schreibt aber nicht vor, wie der Film letztlich zu gestalten ist. Auch geht es weniger darum, die einzelnen Funktionsschritte der Software genau zu erläutern – da lenkt der Spieltrieb den Cutter meist von selbst.

Als Schnittprogramm setzen wir hier CyberLinks Power Director 11 ein. Auch wenn die Screenshots aus diesem Programm stammen, lassen sich die Tipps für die Filmgestaltung auch mit jedem anderen Schnittprogramm umsetzen.

Im ersten Teil unseres Schnittworkshops in Ausgabe 06/2012 beschäftigten wir uns mit den Vorarbeiten des Schnitts; erklärten, wie man sein Material importiert, sinnvoll sortiert und richtig benennt. Außerdem widmeten wir uns dem Filmvorspann und den Einstellungslängen. An welchen Schnitttechniken sich Profis orientieren, wollen wir im zweiten Teil erläutern. Außerdem gehen wir auf Bildkorrekturen ein und zeigen, wie eine bestimmte Farbgebung im Video zu einer anderen Wahrnehmung beim Betrachter führt.

Handlungsschnitt

Mit dem Handlungsschnitt entsteht eine Szene, die eine Situation genauer verdeutlicht. Dafür nutzt der Cutter Bildfolgen, die in der Halbnahen oder Nahen entstanden sind. Das Wechseln eines Bilds aus der Totalen in die Halbnahe signalisiert dem Zuschauer, dass diese Situation im Film wichtiger ist. Unser Beispielprojekt handelt von einem diebischen Eismann, der von einem Jungen bei seinem illegalen Tun ertappt wird: Er stiehlt Geldbörsen! Im Film verfolgt der Junge im gelben T-Shirt den fliehenden Eismann und kürzt den Weg durch einen Abwasserkanal ab, um Zeit zu gewinnen.

Im Film sieht das so aus: Der Junge dreht den Kopf in Richtung Abwasserkanal. Die Kamera schwenkt auf den Kanal. Verweilt in der Nahen auf der Öffnung. Der Junge steigt in den Kanal.

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Ganz im Detail sieht der Zuschauer nicht, wie der Junge in den Abwasserkanal steigt. Das Verkürzen der Handlung von der Nahen des Kanaleinstiegs hin zum Abstieg sorgt aber für Dynamik und einen besseren „Flow" des Films.

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Wie man in der Timeline schön erkennt, wechselt das Bild am Ende der Szene vom Jungen aus der Halbnahen hin in eine Halbnahe auf den Eismann: Für den Betrachter entsteht so eine Sichtbeziehung.

Der Kameraschwenk auf den geöffneten Kanal signalisiert die Kopfbewegung des Jungen, die Nahaufnahme der Öffnung seine Idee, den Kanal als Abkürzung zu nutzen. Im nächsten Bild ist er bereits dabei, einzusteigen. Den kleinen Handlungssprung zwischen diesen letzten beiden Einstellungen bemerkt der Zuschauer nicht. Der Sprung ist sogar nötig, denn der Trick liegt im Verkürzen von Handlungssträngen, was für eine bessere Dynamik sorgt. Aber Achtung: Soll der Zuschauer in einer Aufnahme eine Beschriftung, auf einem Schild etwa oder eine SMS, lesen können, gilt: Der Clip muss so lange zu sehen sein, wie man selbst braucht, um sich den Text laut vorzulesen.

Szenenumschnitt

Der Szenenumschnitt findet in der Regel zwischen zwei Handlungsschnitten statt. In unserem Beispielprojekt liegt der Fokus zu Beginn des Films zunächst auf dem Gesicht des Jungen, der in der Sonne träumt und vom sich lautstark nähernden Eismann geweckt wird. Als der Junge die Augen aufschlägt, wechselt die Szene und zeigt den Eismann aus einer Halbnahen von vorne. Dadurch baut der Szenenumschnitt eine Sichtbeziehung zwischen Betrachter und Eismann auf – der Zuschauer blickt quasi durch die Augen des Jungen. Filmeinsteiger flüchten sich zwischen zwei Szenen oft in Verlegenheits-Effekte: Das Bild „verwirbelt", verpixelt oder wird kurz schwarz. Solche Effekte sollte man vermeiden. Denn selbst wenn es sich dabei lediglich um eine Blende handelt, vermitteln sie meist den Eindruck, dass eine bestimmte Situation im Film nun beendet sei. Wird aber nach dem Effekt der Handlungsstrang weitergeführt, wirkt das unharmonisch – der Zuschauer wird aus dem Filmfluss gerissen. Deshalb gilt: Effekte und Blenden immer gezielt einsetzen und nicht als Verlegenheitslösung einschieben.

Auf der nächsten Seite finden Sie die Erklärungen zum Zwischenschnitt und zur Bildkorrektur.

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