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Schnitt für Einsteiger: kreativer Schnitt - Teil 1 - Workshop Einstellungslänge

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EINSTELLUNGSLÄNGE

Nach dem Sichten und Erstellen eines Vorspanns beginnt der eigentliche Filmschnitt. Man reiht die einzelnen Clips zu stimmigen und passenden Szenen aneinander. Aus der Szenenfolge entsteht letztlich der komplette Film.

Blickt man in der Filmgeschichte zurück, so fällt auf, dass alte Filmproduktionen aus den 50er und 60er Jahren andere Merkmale aufweisen als die der heutigen YouTube- und MTV-Generation. Vor rund 60 Jahren liefen Filme noch „behäbiger" ab, genauer gesagt: Sie waren langsamer geschnitten. Der Zuschauer bekam mehr Zeit, um einen Sachverhalt zu verstehen. Heutzutage setzt man auf flotte, knackige Schnitte – die Sehgewohnheiten haben sich verändert. Selbst sehr kurze Clips, wie in der Werbe- oder Musik-Branche, können eine kleine Geschichte (verkürzt) erzählen. Die Entstehungsgeschichte des eigenen Films beginnt auf dem treffend so genannten „Storyboard", das nahezu jedes Einsteigerprogramm bietet. In diesem vereinfachten Schnitt-Modus legt man die einzelnen Szenen simpel hintereinander. Für präziseres Arbeiten aber bietet sich der Timeline-Modus an, auf welchen sich das Storyboard im Power Director 11 umschalten lässt. Der Vorteil ist (neben den erweiterten Funktionen) das simple Bestimmen der Clip-Länge mit der Maus: Man packt den Filmschnipsel am Ende und zieht ihn zum Kürzen zusammen. Einfacher geht's kaum. Dieses so genannte „Trimmen" wird in den meisten Schnittprogrammen auch separat in einem eigenen „Trimm-Fenster" angeboten.

Wie lange ein Clip dauert, bestimmen die Handlung sowie der Rhythmus, den der fertige Film letztlich haben soll; auch die Einstellung der Kamera hat darauf Einfluss. Das trägt dazu bei, wie schnell zu verstehen ist, was gerade zu sehen ist. Nahaufnahmen etwa vermitteln kurze Informationen sofort: Ein erfahrener Cutter wird ein Stirnrunzeln, ein verwundertes Kopfschütteln oder einen skeptischen Blick immer in der Halbnahen oder Nahen in Szene setzen. Der Zuschauer nimmt die Mimik so viel rascher und intensiver auf als in einer Totalen.

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Im Storyboard-Modus kann der Einsteiger seine Clips simpel hintereinander legen und so eine grobe Struktur des späteren Films planen.
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Präziser klappt der Schnitt dann auf der Timeline, wo sich Blenden und Effekte einbauen lassen.

Auch ein Schriftzug oder ein Hinweis- oder Warnschild wird kurz, aber dafür nah gezeigt. Der Zuschauer registriert so unterbewusst, dass dieses Symbol eine tragende Bedeutung hat. Standzeiten von unter einer Sekunde sollten allerdings die Ausnahme sein – sie sind nur bei sehr actionreichen Szenen sinnvoll.

Bei Titeln und längeren Schriftzügen gilt die Regel: So lange stehen lassen, wie man in der Realität für das laute Vorlesen benötigen würde. Denn der Zuschauer kennt den Text nicht und muss er erst einmal erkennen, dass hier nun von ihm Lesen gefordert ist.

Damit ein guter Film entsteht, braucht es eine gekonnte Mischung. Schnelle Schnitte allein erzeugen noch lange keinen guten Film. Gerade unvorhersehbare, verwirrende oder peinliche Szenen sollte man dauern lassen. Der Zuschauer muss mit den Protagonisten fühlen, sich in sie hineinversetzen und das Gefühl auskosten können.

Das Gleiche gilt für traurige und andere emotionale Bilder: Man muss dem Betrachter die Chance geben, sich in das Gezeigte einfühlen zu können. Wird solch ein Moment durch zu schnelle Bildfolgen einfach abgehackt, entstehen weder Wirkung noch Bindung.

Zum Ende einer solchen Szenerie – also wenn man sich endlich dem Höhepunkt nähert, kann die Einstellungslänge wieder kürzer, die Bildfolge also wieder schneller werden.

(jos/pmo)