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Musikvideos selbst gemacht: der richtige Stil

Wie und wo das Musikvideo als Stilform entstanden ist – darüber sind sich selbst Musikwissenschaftler uneins: Waren es die ersten Singund Tanz-Filme nach der Überwindung des Stummfilms, die ersten Musical-ähnlichen Operetten zum Start des Farbfilms, die legendären Open-Air-Konzertfilme – oder tatsächlich erst die 3-Minuten-Clips, die zur Gründung von TV-Sendern wie MTV und Viva führten? 
 

Schließlich zeigen sie alle meist eines: Musiker beim Ausüben ihrer Tätigkeit - mal mit Rahmenhandlung, mal ganz ohne. Roh und dokumentarisch oder durchgestylt und effektlastig.

Ansichtssache: Musikvideo oder Konzertmitschnitt?

Eine Band zu finden, die ein Video braucht, dürfte kein Problem sein. Eher heißt es aufpassen und klären, was die Musiker darunter eigentlich verstehen: den Live-Mitschnitt eines Konzerts oder tatsächlich ein klassisches Musikvideo, gestaltet zum Playback eines bereits existierenden Songs, der natürlich möglichst typisch für die Band sein sollte. Denn die will sich über das Video schließlich verkaufen. Da das immer öfter weltweit per YouTube,
Facebook & Co. passiert, sollte man auch in Rechte- und GEMA-Fragen firm sein (mehr dazu in diesem Ratgeber).

Für einen Konzertmitschnitt braucht man – anders als für ein klassisches Musikvideo – natürlich mehrere Kameras, muss mit Live-Sound umgehen können, also dokumentarisch arbeiten. Was dabei zu beachten ist, haben wir in den Ausgaben 5/2008, 6/2010 und 2/2011 ausführlich beschrieben.

Für den Clip zu einem fertigen Song braucht es hingegen nur eine Kamera und eine Schnittsoftware – wie diese Leserproduktion zeigt. Gestalterisch ist in einem Musikvideo alles erlaubt: Realszenen kombiniert mit Zeichentrick oder Puppentheater, Spielfilm-Handlung mit eingestreuten Bühnenszenen, Schwarzweiß- und Farbebenen gemixt – die ganze
Palette an Gestaltungsmöglichkeiten bietet sich an. In unserer Leserproduktion hat sich der Macher in den Handlungs- wie Filmebenene sogar aufs absolute Minimum beschränkt: den Song und die Band. Gerade das kann ein Augenschmaus werden, wenn man weiß, was man tut. Die Leistung des Leser-Videos bestand immerhin darin, aus 88 Einzel-Clips den Vier-Minuten-Song aufzubauen.

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Gestaltung: Licht und Schatten sind zentrale Gestaltungsmittel eines Musikvideos. Oft bestimmen sie direkt den Farb-Look eines Clips. So wird ein simples Schlagzeug zum "Hauptfarsteller"
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Erlernbar: Musikvideos zu drehen kann man sogar lernen - wie hier in Kursen der SAE.

Es kann aber auch nur eine einzige Einstellung sein, die komplett durch das Video führt: So zu sehen im Clip „The Old Man Down the Road" von John Fogerty aus den 1980er-Jahren: Hier folgt die Kamera über mehrere Minuten wie eine Schlange einem Gitarrenkabel, das scheinbar über Hunderte Meter quer durch eine Südstaaten-Szenerie führt – vom Gitarrenverstärker über Veranden, Straßen, durch offenstehende Autofenster bis zum Gitarristen, der erst zum Ende des Videos zu sehen ist. Das klingt simpel, ist aber optisch höchst beeindruckend, zumal man sich ständig fragt: Wie haben die das gemacht?

Wer Anschauungsmaterial sucht, wie man Musiker gut ablichtet, ist mit klassischen Konzertfilmen wie „Woodstock" und „Monterey Pop" gut bedient, oder mit Scorceses "The Last Waltz". Jonathan Demme hat in den Intro-Szenen zu „Stop Making Sense" gezeigt, wie spannend simple Bühnenszenen sein können, wenn man sie richtig inszeniert.

Tipp: Auf der Webseite des WDR-„Rockpalast" kann man zig Konzertmitschnitte ansehen – zur Inspiration für Schnittweisen und Kameraeinstellungen bei unterschiedlichen Musik-Stilen.

 
(he)

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