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Motion Tracking: Objektverfolgung für Einsteiger

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Haben Sie sich vielleicht schon mal gefragt, wie ein schwebendes Objekt, eine spontane Farbveränderung oder ein unnatürlich helles Leuchten in mancher Hollywood-Produktion realisiert wurde? VIDEOAKTIV erklärt in diesem Schnitt-Workshop das Prinzip des „Motion Tracking" (auf Deutsch: Bewegungsverfolgung) und gibt Anregungen für Einsteiger.
 

Motion Tracking verlangt potente Rechenmaschinen, leistungsstarke Programme und talentierte Techniker. Ohne Frage, so entstehen in Hollywood beeindruckende Filmeffekte, die der Zuschauer unter Umständen nicht mal als Effekt erkennt, sondern als Filmrealität akzeptiert. Wenn ein Effekt so gut ankommt wie das Motion Tracking, dauert es meist nicht lange, bis man ihn auch mit weit weniger Aufwand und mit kleineren Programmen hinbekommt. Beim Motion Tracking, zu Deutsch Bewegungsverfolgung, hat das allerdings ganz schön gedauert – und etwas Ideen und Zeiteinsatz sind auch heute noch notwendig. An einem Einsteiger-Beispiel zeigen wir, wie eine solche Produktion aussehen kann.

Als Programm nutzten wir den für Einsteiger einfach zu bedienenden ColorDirector von CyberLink. Die Bewegungsverfolgung findet sich aber auch in vielen anderen Schnittprogrammen, weshalb die Tipps dieses Ratgebers allgemeingültig sind.

Das Motion Tracking

Die Bewegungsverfolgung ist verwandt mit dem ähnlich klingenden, aber doch unterschiedlich funktionierenden „Motion Capturing". Auch wenn die beiden Verfahren oft ineinander verschwimmen, kann man sie nicht direkt vergleichen: Das eine beginnt also bereits am Set bei der Aufnahme, das andere erfolgt erst in der Postproduktion am Rechner.

04 verfolgungswahn
Der Ballon liegt noch am Boden und ist nur mit wenig Luft gefüllt. Wir umrahmen die Kontur des Flugobjekts, invertieren die Maske (dadurch wird der Hintergrund maskiert) und entziehen dem Bild die Sättigung. Der Ballon bleibt farbig.
01 verfolgungswahn
Gerade bei Objekten, die sich schnell bewegen, oder solchen mit unterschiedlichen Bewegungsmustern (Menschen oder Tieren etwa) hat die Bewegunsverfolgung ihre Probleme und kommt nicht hinterher.

Das Motion Capturing fängt die Bewegung eines Darstellers oder eines Tieres mittels vieler Kameras und eines speziellen Anzugs mit Sensoren ein, um darauf im Rechner einen virtuellen Charakter zu legen; Gollum aus „Der Herr der Ringe" ist dafür wohl das berümteste Beispiel. Das Motion Tracking hingegen beschreibt die Verfolgung eines Objekts im bewegten Bild mit Hilfe einer definierten Maske, wie man sie aus der Photoshop-Software kennt. Zwar geht das Motion Tracking in großen Kinoproduktionen meist mit dem Motion Capturing einher, funktioniert aber auch komplett getrennt davon und ist auch für den Hobby-Cutter kein unerreichbares Ziel.

Ein einfachstes Beispiel dafür ist die Verfremdung eines Auto-Kennzeichens oder Gesichts, was immer dann nötig ist, wenn das Video ohne Genehmigung der zu sehenden Person auf öffentlichen Videoportalen eingestellt werden soll. Aufwändiger wird es, wenn ein Objekt im Film stilistisch herausgehoben werden soll, etwa mit einer veränderten Farbgebung oder einer leuchtenden Aura. Auch dann kommt die Bewegungsverfolgung (teils auch Rotoscoping genannt) zum Einsatz, wobei das ein- oder umgefärbte Element stets mit der darüberliegenden Maske synchron laufen muss.

Das Prinzip lässt sich noch weiter spinnen: Mächtige Programme wie Adobe After Effects oder Blender können bestimmte Objekte im Film, die als dreidimensionale Platzhalter dienen, mit einer grafischen Textur versehen und Eindrücke im Film schaffen, die in der Realität so gar nicht bestehen – etwa Lichtschwerter aus der Filmreihe »Der Krieg der Sterne".