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Leserproduktion Jakobsweg: der erfolgreichste Amateurfilm

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Unser Leser Volker Wischnowski ist eigentlich Bankangestellter. Aber in seiner Freizeit dreht er gerne Filme. Seine Dokumentation „Jakobsweg – die Seele atmen lassen" ist auf DVD erschienen und hat sich inzwischen über 75 000 Mal verkauft. Das ist für einen unabhängigen Filmemacher ein absoluter Rekord. Wischnowskis Film wird im April sogar als Blu-ray erscheinen.
 

Mein Bankjob füllt mich nicht völlig aus. Darum verbringe ich viel Zeit mit meiner geliebten Freizeitbeschäftigung, dem Filmen. Ich suche mir ein Thema und mache dazu Video-Vorträge, weil ich den direkten Kontakt mit dem Publikum schätze und das bewegte Bild dem Standbild vorziehe.

Vor vier Jahren las ich das Buch „Ich bin dann mal weg", Hape Kerkelings Bericht seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg durch den Norden Spaniens. Da ich aus einer gläubigen Familie komme, beschloss ich sofort, die Reise ebenfalls anzutreten – und zu meinem neuen Filmthema zu machen. Allerdings sollte Religiösität nicht die Kernmotivation des Films sein. Was aber sonst? Als jemand, der gerne ins Kino geht, weiß ich, dass ohne ein gutes und stimmiges Drehbuch der bestgemeinte Film nichts wird. Deshalb wälzte ich jede Menge Literatur, um die Idee für den roten Faden – den Weg selbst – zu finden. Schnell war klar: Erst wandern, dann filmen, würde die beste Lösung sein.

Schon bei der Wanderung habe ich dann aber doch schon fleißig gefilmt, wenngleich noch ohne Struktur. Ich sprach viele andere Pilger an und befragte sie vor der Kamera nach ihrer Motivation. Die schönsten Antworten sind später in den Film eingeflossen. Eine Schwedin namens Ida lieferte mir mit ihrer Antwort die Storyline für meinen Film. Sie sagte einfach: „Ich möchte meine Seele atmen lassen". Dieses „die Seele atmen lassen" bestimmte fortan den Duktus meines Films. Ihm sollten sich mein Weg und seine Bilder unterordnen.

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Pilger am Ziel: Volker Wischnowski hat schon viele Szenen für seinen Film im Kasten.
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Ganz am Anfang: Die Titelsequenz entstand am Atlantik. Meer und eine angespülte Jakobsmuschel tragen den Vorspann und stimmen auf den Film ein: Die Muschel ist das Symbol des Pilgerwegs.

Die Technik

Da vor vier Jahren die ersten hochauflösenden Videokameras auf dem Markt waren, wurde meine lte 16-Millimeter-Kamera gegen eine handliche Sony HDR-FX 7 ausgetauscht. Bei ersten Testwanderungen im Deister nahe meinem Wohnort Hannover machte ich mich mit der Bedienung vertraut und testete die Bildeinstellungen. Das war wichtig, denn für einen langen Film ist ein gewisser „Look" einfach notwendig.

Professionelle Film- und Fernsehproduktionen gleichen Szenen im Aussehen einander an. Das wollte ich auch, doch eine teure Lichtbestimmung konnte ich mir nicht leisten. Die Tricks stehen in normalen Schnittprogrammen auch nicht einfach zur Verfügung. Ich habe deshalb darauf geachtet, nur bei ähnlichen Lichtsituationen zu filmen und ganz klassisch das Morgenoder Abendlicht ausgenutzt. Daher erreicht der Film schon durch die Aufnahmen eine ausgewogene Stimmung – woran ein gütiger Wettergott allerdings nicht ganz unschuldig ist. Zwischen 10 und 15 Uhr legte ich die Kamera aber konsequent aus der Hand. Um den Charakter meiner Reise zu unterstreichen, wollte ich „Jakobsweg" komplett mit einem Schwebestativ drehen. Man wandert schließlich, und ich fand, das sollte man auch erleben. Durch den Test in VIDEOAKTIV 3/2007 wurde ich auf das Merlin aufmerksam. Das Stabilisierungssystem erschien klein und leicht genug, um es die ganze Zeit beim Wandern im Rucksack mit dabeihaben zu können.

Bald merkte ich: Die meditative Bildruhe, die mir vorgeschwebt hatte, lieferte das Merlin nicht ganz. Besonders Wind machte ihm zu schaffen. Dafür sahen die Aufnahmen, die ich mit ihm beim Wandern drehte, umso authentischer aus. Daher war das Stativ (wenigstens im Nachhinein betrachtet) die perfekte Wahl gewesen.

Weil ich mich nicht nur auf das eingebaute Mikrofon verlassen wollte, nahm ich die Interviews immer parallel mit einem Edirol-Taschenrecorder R-09 HR auf, der damals gerade neu auf den Markt gekommen war. Ob ich denn überhaupt schon Ahnung von Filmschnitt hätte, fragte man mich bei der Firma inside-media, wo ich mir den Schnittcomputer kaufte. Meine Antwort: „Ja, aber nicht am PC". Ich wollte deshalb ein Programm, mit dem ich schon nach kurzer Einarbeitung loslegen konnte. Daraufhin wurde Edius 4 auf dem neuen PC installiert. Eine gute Wahl, schon nach kurzer Zeit hatte ich das Programm verstanden.