Kameratechnik-Trends: 8 Bit oder 10 Bit?

Derzeit machen viele neue Technologien Furore in Filmer-Kreisen. Wir erklären hier kurz und knapp, was sie für die Praxis tatsächlich bedeuten und was bei Anschaffungen wichtig ist. Der zweite Teil befasst sich mit der Frage 8 Bit oder 10 Bit und was für Vorteile die höhere Farbtiefe bringt.

8 Bit oder 10 Bit?
Die Angabe der Bit-Zahl in den technischen Daten von Filmkameras verrät, wieviele mögliche Helligkeitsstufen der Farbkanäle im Videobild erzeugt und aufgenommen werden können. Bei 8 Bit sind das nur 256, bei 10 Bit dagegen 1024. Sichtbar ist der Unterschied nicht immer, aber bei kritischen Motiven manchmal schon. So kann die Aufnahme des Himmels von Helligkeitsstufen, dem sogenannten Color Banding, durchzogen sein und deshalb streifig wirken. Auch ausgefressene Himmelspartien oder ein zu hell beleuchtetes Gesicht lassen sich mit 10 Bit eher vermeiden (und auch mit HDR), genauso wie ins Schwarz „abgesoffene” dunkle Bildbereiche.

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Der Teufel steckt im Detail: Viele Kameras arbeiten nicht pauschal nur in 8 Bit oder 10 Bit. Vielmehr entscheidet der gewählte Codec oder die Bildrate darüber, ob eine Abtastung mit 8 oder 10 Bit erfolgt. Auch unterscheidet sich oft die intern speicherbare von der extern über HDMI oder SDI ausgegebenen Bit-Tiefe. Das nutzen Recorder.

Leider ist die Bit-Angabe in den technischen Daten oft gar nicht eindeutig, denn, wie das Schaubild links zeigt, gelten bei manchen Kameras mehrere unterschiedliche Bit-Tiefen, je nachdem, ob es um das intern aufgenommene Video geht oder die am Ausgang anliegenden Signale. Über HDMI ist oft sogar die Ausgabe von 10-Bit-Video auf einen externen Recorder möglich, selbst bei relativ erschwinglichen Kameras – und damit eine bessere Qualität als intern. Da viele Camcorder oder Kameras inzwischen eine große Auswahl an eingebauten Codecs anbieten, kann selbst die interne Aufzeichnung mal mit 8 Bit und mal mit 10 Bit erfolgen. Ein Consumer-Videoformat wie AVCHD arbeitet immer mit 8 Bit und 4:2:0-Farbabtastung, während innerhalb von MPEG-4 oder XAVC alles von 8 Bit/4:2:0 bis zu 10 Bit und 4:2:2 möglich ist. Achtung: Nicht immer ist die 10-Bit-Auflösung bei internem Recording mit 50p in Verbindung mit 4:2:2 möglich, die Fuji X-T 3 (nur 4:2:0) ist dafür ein Beispiel.

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Die Frage „8 Bit oder 10 Bit?” allein entscheidet längst noch nicht über die Bildqualität. Neben der Auflösung und der Bildrate bestimmen auch Helligkeit und Kontrastumfang (HDR) genauso wie die verfügbare Farbpalette (Color Gamut) maßgeblich die Wirkung eines Videobilds.


FAZIT
Wer es sich leisten kann, sollte bei Neuanschaffungen auf 10 Bit setzen. Die größere Farbauflösung bedeutet aber auch höhere Datenraten und damit größeren Speicherbedarf. Im Extremfall sind sogar spezielle, teurere Speichermedien nötig. Wer eine Kamera besitzt, die intern nur mit 8 Bit speichert, sollte prüfen, ob über den HDMI-Ausgang nicht 10 Bit ausgegeben werden, die sich dann mit externen Mobilrecordern von Atomos, Video- Devices & Co. aufnehmen lassen.

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