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Tipps und Tricks: Bearbeitung von Kommentarstimmen

Für Hermann Langschwert, filmersclub-Komponist und Betreiber eines eigenen Studiokomplexes, gehört die Bearbeitung von Kommentarstimmen zum Arbeitsalltag. Schließlich hat er sich auf die Vertonung von Dokumentarfilmen spezialisiert und weiß daher ganz genau, wie man die Kommentarstimme so aufnimmt und bearbeitet, dass sie fernsehtauglich klingt. Ein paar Tricks hierzu hat er uns verraten.
 

Vorbereitungen für die Sprachaufnahme einer Kommentarstimme

Ein wichtiges Kriterium bei Sprachaufnahmen ist die richtige Mikrofonwahl. Im Gegensatz zu Kameramikrofonen, die das gesamte Umfeld so neutral wie möglich aufnehmen, braucht man für die Sprachaufnahme ein ruhiges Plätzchen und ein gutes Kondensatormikrofon. Bei einer lauteren Arbeitsumgebung sollte man bei der Mikrofonwahl auf ein dynamisches Mikrofon zugreifen und weniger auf ein Kondensatormikrofon, da diese sehr empfindlich sind und zu viele Nebengeräusche aufnehmen. Die Mikrofonaufstellung ist auch nicht unwichtig; das Mikrofon sollte nicht zwischen dem Sprecher und einer Tischplatte platziert werden, da die Tischplatte störende Nebengeräusche erzeugt (so genannte Shattereffekte), vor allem im tiefen Frequenzbereich. Man ist daher besser beraten, wenn man den Text auf ein Notenpult stellt.
Sprachaufnahmen werden in der Regel im Stehen gemacht. Durch das Stehen erhält der Sprecher mehr Stimmvolumen. Außerdem funktioniert die Atmung besser. Bei der Art des Sprechens kann man folgendes beachten: möglichst emotionslos, aber freundlich, den Text einsprechen. Außerdem sollte der Sprecher nicht mit der Stimme rauf und runter gehen, sondern eher monoton und neutral bleiben.

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Die richtige Tonaufzeichnung: Hermann Langschwert erklärt, was es zu beachten gibt.
Kommentarstimmte_EQ
Breit und mächtig: so soll die Kommentarstimme einer Doku klingen. Mit diesen EQ-Einstellungen sind Sie diesem Ziel ein Stückchen näher.

Die weitere Audiobearbeitung der Kommentarstimme

Zuerst schneidet man natürlich gröbere Nebengeräusche heraus. Die Atmer des Sprechers belässt man aber in der Aufnahme, sonst klänge sie zu unnatürlich. Atmer macht man zudem etwas leiser. Schmatzer kann man darüber hinaus am einfachsten per Hand aus der Audiodatei herausmalen. Ein wichtiges Werkzeug für die Sprachbearbeitung ist der EQ. Mit dem EQ kann man die Kommentarstimme mächtig und weit vorne klingen lassen, wie sie so häufig in ZDF-Dokus zu hören ist. Dazu nimmt man die stärksten Pegel, die man bei der Sprachaufnahme erhält und arbeitet dagegen. Bei Stimmen liegt der Hauptpegel im Equalizer bei ca. 2-3 kHz. Da sind folglich die höchsten Pegel und genau diese Frequenzen macht man leiser, nicht lauter! Dadurch entsteht die natürliche Breite und Wärme der Kommentarstimme, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Das Mittige im Stimmklang fällt dadurch zwar weg, aber die Stimme unterscheidet sich nun deutlich von Originaltonsprachen, z.B. von Livemitschnitten oder Interviews. Diese klingen dann normal und natürlich, der Off-Sprecher hingegen klingt warm und mächtig. Um zusätzlich noch das Seidige in der Stimme zu unterstützen gibt man ab ca. 10 kHz noch ca. 4-5 dB hinzu.

Durch das EQen wird die Stimme leiser. Folglich muss man nach dem EQ die Stimme mit dem Kompressor wieder anheben. Die Stimme komprimiert man sehr stark. Bei einer typischen 45 Minuten Doku beträgt die Kompression von einer mit 0 dB aufgenommenen Stimme 12 dB. Bei der Werbung wird mit 20-30 dB noch stärker komprimiert.
Weitere Tools wie einen DeEsser, mit dem man Zischlaute bearbeitet, verwendet man bei der Bearbeitung eher nicht. Sonst entsteht der Eindruck, dass der Sprecher einen Zungenfehler hat. DeEsser würde ich in diesem Fall also eher weglassen, diese verwendet man eigentlich nur bei Gesangsaufnahmen. Normalerweise kommt auch kein Hall auf die Stimme, sie bleibt also trocken.

Lautstärkeverhältnisse von Sprache und dem restlichen Gesamtbild (Musik und Geräuschteppich, Athmos)

Fängt der Sprecher an zu sprechen, geht das restliche Gesamtbild (d.h. Musik, Geräuschteppich und Athmos) um -6 bis -8 dB nach unten. Sobald die Sprecherstimme schweigt, kann man diese Elemente wieder auf ihren normalen Pegel hochziehen. Dass man das Lauterwerden der restlichen Elemente nicht zu sehr merkt, sollte man diese aber schon dann hochziehen, wenn der Sprecher noch spricht. Das hat auch etwas Psychologisches: der Zuschauer weiß meistens sowieso wie der Satz endet, daher kann man die restlichen Elemente schon während der letzten Worte komplett heraufziehen. So ist die Lautstärke dann bereits oben, wenn er ausgesprochen hat. Das kann man aber nur beim Satzende machen. Beim Satzanfang muss man ungefähr mit 50/50 rechnen, d.h. innerhalb von ca. einer Sekunde werden die restlichen Elemente um -6 dB leiser, wobei der Sprecher bei -3dB einsetzt.

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Der Wiener Komponist Hermann Langschwert: Schon zahlreiche Dokumentationen wurden von ihm vertont und sendefertig bearbeitet.

Hermann Langschwert ist Filmersclub-Komponist (www.filmersclub.de) und Betrieber eines eigenen Studiokomplexes namens Noyz





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