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Test: Audio Technica AT 2022 und Rode Stereo VideoMic Pro

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Unterschiedlicher können zwei vergleichbare Produkte wohl kaum aussehen: Beide Schallwandler – das AT 2022 von Audio-Technica und das Røde Stereo VideoMic Pro – sind Stereomikrofone für den Einsatz an Kameras (oder Mobilrecordern), beide kosten um die 250 bis 300 Euro. Doch während Audio-Technica die klassische bevorzugt, konstruiert Røde sein Modell in ungewohnter Hochbauform.
 

Das hat System, denn der Hersteller adressiert damit nicht nur Besitzer eines kompakten Camcorders, sondern auch (und vor allem) DSLR-Fotofilmer. Und eine Fotokamera ist bekanntlich auch eher in die Höhe gebaut – ein langes, schweres Mikro wie das AT 2022 würde da die ohnehin schon vorhandene Kippneigung erhöhen.

Ausstattung und Bedienung

Die Form ist das eine. Aber vorrangig interessieren uns bei einem Mikrofon natürlich der praktische Einsatz und die erzielbare Tonqualität. Audio-Technica ist mit seinem älteren Stereomikrofon AT 822 seit langem Referenz für erschwingliche Mikrofone mit XLR-Ausgang und Miniklinken-Anschluss. Während die günstigen AT-Consumer-mikros (Heft 6/2011) mit fest angegossenem Miniklinkenkabel kommen, die teuren Broadcast-Mics (Heft 4/2009) dagegen mit 5-Pin-auf-3-Pin-XLR, nutzt das AT 2022 ein XLR-auf-Miniklinken-Kabel. Es zielt, wie einst das 822, auf die (auch preislich) semiprofessionelle Mitte.

Hatte das 822er noch einen stabilen Drahtkasten um seine empfindlichen Mikrokapseln gelegt, sind die beim 2022 offen. Das kommt daher, weil man sie frei in einem 90- oder 120-Grad-Modus verstellen können soll – für eine fokussiertere oder eher breitere Stereowirkung. Sonst findet sich am Mikro nur noch der Einschalter nebst linearer und Bass-Cut-Stellung. Vorsicht: Nutzer eines AT 822 kann das verwirren, denn bei dem waren diese Schalter genau anders herum angeordnet. Über den Sinn der Abfolge lässt sich streiten. Steht der Schalter falsch herum, fehlt es dem Konzert an Bässen – oder heftiges Wind-Blubbern zerstört die schöne Atmo.

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Die Kapseln des AT 2022 lassen sich in 90- wie 120-Grad-Winkel schalten. Der unsymmetrische Stereu-XLR-Ausgang wird auf Miniklinke geführt.
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Das Røde signalisiert mit Grünlicht seine Einsatzbereitschaft.

Es ist schon eine Tradition: Der Batteriewechsel ist bei Røde der schwierigste Teil der Übung. Da macht die hakelige Batteriefachabdeckung des Neuen keine Ausnahme. Die Bedienung der rückseitigen Schalter gibt dagegen keine Rätsel auf. Besonders gefiel die deutlich sichtbare, grüne Power-LED. Bei Audio-Technica gibt es keine Strom- oder Batterieanzeige. Røde nutzt immer noch die große 9-Volt-Blockbatterie, AT eine schlanke AA-Zelle.

Klangqualität

Bei zwei ausgewiesenen Mikrofon-Experten war es zu erwarten: So unterschiedlich die beiden Kontrahenten auch aussehen – fast unisono klangen sie im Hörtest, nämlich auf hohem Niveau. Da hatten die Azden-Mikros keine Chance, bekam sogar das Referenz-Mikro Røde NT 4 Probleme. Was auffiel, war der gegenüber dem AT 822 deutlich höhere Pegel des 2022, dessen Empfindlichkeit sich allerdings nicht regeln lässt wie beim Røde mit seinem dreistufigen Schalter. Das wiederum klingt einen Tick flacher als das AT, dafür natürlicher in den Höhen, obwohl der fixe Windschutz immer aktiv ist.

Fazit

Einen Testsieger zu küren wäre selbst ohne Punktegleichstand vermessen: Je nach Bauform kann man fast blind wählen – es ist immer ein Gewinn.