Ratgeber: Field-Recorder für mobilen Videoton - Fieldrecorder-Praxis

Mobile Audiorecorder sind weit verbreitet. Eine ganz spezielle Gattung davon sind die Fieldrecorder für Film- und Videoton. Wir zeigen in diesem Ratgeber, was sie für die Videoproduktion bringen und befassen uns im dritten und letzten Teil mit der Fieldrecorder-Praxis und erörtern die Details zwischen Mobil- und Fieldrecordern.

FIELDRECORDER-PRAXIS
Egal ob günstiger DSLR-Recorder oder Broadcast- Modell: Die Arbeitsweise unterscheidet sich in der Praxis vor allem in den jeweiligen Anforderungen der Nutzer. Man kann den Fieldrecorder akku- oder batteriebetrieben völlig unabhängig von Kamera und Camcorder einsetzen, beispielsweise um die Signale mehrerer Funkmikrofone aufzuzeichnen oder ein Richtmikrofon an der Angel plus ein Stereomikro – oder gern auch alles gleichzeitig. Manche der eher kompakten, leichten DSLRFieldrecorder lassen sich sogar direkt auf eine Kamera schrauben oder zwischen Stativ und Kamera anbringen. Da so gut wie jeder Fieldrecorder einen Line- Tonausgang hat, kann man die Signale somit parallel auf Speicherkarte bannen und gleichzeitig die Stereo-/Zweikanalmischung des Recorders über Miniklinkenkabel in die Kamera leiten und dort ebenfalls aufzeichnen.

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Kompakte Modelle wie der Zoom F1-SP passen auch oben auf eine Kamera. Hier ersetzt das Gerät ein Richtmikrofon samt Recorder. Manche Fieldrecorder wie hier der DR-70 D von Tascam erlauben alternativ auch die Montage zwischen Stativ und Kamera.

Fieldrecorder mit zahlreichen separaten Tonspuren (acht oder mehr) arbeiten aber auch ideal als Multitracker bei einer Konzert- oder Theateraufzeichnung mit vielen Stimmen und Instrumenten. Damit lassen sich beispielsweise gleichzeitig die Signale eines Stereomikrofons aus dem Zuschauerraum und die separaten Kanalsignale aus dem Saal-Tonmischer auf ein und derselben Speicherkarte festhalten. Die in größeren Hallen auftretetenden Laufzeitunterschiede zwischen den Mikros der Bühnen-Abnahme und denen im Zuschauerraum kompensieren viele Fieldrecorder über eine integrierte Delay-Schaltung schon bei der Aufnahme – dann muss man die Tracks in der Postproduktion gar nicht mehr verschieben, um sie synchron zu platzieren. Zur Vermeidung von Übersteuerungen sind die Recorder durchgängig mit Limiter-Schaltungen ausgerüstet, die zu laute Pegel kappen.

Det 13 688 cart webFilmprofis bauen um ihren Fieldrecorder herum oft ein komplettes mobiles Tonstudio. In der Tasche steckt hier ein Modell von Sound Devices.

Auch Schaltungen zur Kompression von Signalen sind zum Teil eingebaut, bedürfen aber bei der Tonaufzeichnung vor Ort der genauen Soundkontrolle. Das nötige Monitoring ist in der Regel über Kopfhörer mit Miniklinken- oder Klinkenanschluss möglich, seltener über die meist eingebauten Lautsprecher. Keineswegs lassen sich Fieldrecorder nur unterwegs sinnvoll einsetzen. Mit ihrer hochwertigen Tonaufzeichnung taugen sie genauso gut als kleine, aber feine Aufzeichnungsmaschine für Nachvertonung und Voice-Overs im heimischen Studio. Außerdem funktionieren viele Modelle alternativ auch als Audio-Interface an einem Computer – so spart man sogar die Anschaffung zusätzlicher Audiohardware. Etwas aus der Reihe tanzen die winzigen Einsteigermodelle der F1-Serie von Zoom. Sie lassen sich als Lavalier-Recorder F1-LP direkt am Gürtel der zu interviewenden Person befestigen – anstelle eines Funkmikros samt Sender. Die Version F1-SP dagegen ersetzt ein Richtmikro auf der Kamera inklusive eingebautem Recorder.

fieldrecorder mobilrecorder vergleichUnterscheidung schwierig: Ein DSLR-Fieldrecorder wie Tascams DR-701D (links) lässt sich genauso oben auf einer Kamera montieren wie Zooms Dauerbrenner H6. Beide Modelle bringen auch ähnliche Funktionen mit.

MOBIL- ODER FIELDRECORDER
Ehrlich gesagt: Die Unterscheidung zwischen Mobilrecordern – im Englischen meist „handheld recorder” genannt – und echten, klassischen Fieldrecordern ist oft schwierig. Ein Modell wie Zooms H6 ist zwar von der Bauweise her ein Handheld-Recorder, bringt aber mit vier XLR-Eingängen und zahlreichen Funktionen für die Filmpraxis schon die Basis-Features eines Fieldrecorders mit. Die designbedingte Unterscheidung bekommt man am ehesten über die obligatorischen Ösen für den Betrieb mit Schultergurt oder Umhängetasche hin, die einen typischen Fieldrecorder-Einsatz ausmachen. Die Montage auf oder unter einer Kamera taugt dagegen nicht als Unterscheidungsmerkmal – denn die ist bei etlichen Field- wie Mobilrecordern ähnlich möglich: über Stativösen im Recorderboden oder mittels Zubehörschuhhalterungen oder Stativplatten auf der Oberseite. Über die rein technische Qualität der Aufzeichnungen bei vergleichbaren Preisklassen ist dagegen keine Unterscheidung möglich. Denn oft sind in Mobil- wie Fieldrecordern ein und desselben Herstellers auch dieselben Mikrofonvorverstärker eingebaut. Auch filmtypische Funktionen wie ein akustisches Klappensignal zum leichteren Anlegen von Bild und Ton oder die gleichzeitige Aufnahme eines Signals mit verschieden hohen Pegeln auf separaten Tonspuren findet sich in beiden Gerätegattungen. Sogar praktische Drehregler statt wenig komfortabler Tipptasten sind schon bei einigen gehobenen Mobilrecordern eingebaut. Timecode-Verkopplung über BNC oder gar HDMI bietet dagegen nur ein Fieldrecorder, ebenso Zeitstempel-Funktionen für die eindeutige Datierung. Auch finden sich Look-ahead-Limiter mit minimalem Zeitversatz für die Übersteuerungsanalyse nur in Field-Modellen. Genauso sind Erweiterungspulte für mehr Eingänge und höheren Bedienkomfort diesen Geräten vorbehalten.

(Hans Ernst)

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