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Im Test: WLAN-Funkmikro-System - Røde Link Filmmaker Kit

Für den Videofilmer bietet Røde zahlreiche günstige Mikrofone an. Jetzt kommt mit Røde Link eine „Funkstrecke" dazu, die Ton auf derselben Frequenz wie WLAN und Bluetooth überträgt. Den Test lesen Sie hier.

Das Røde Link Filmmaker Kit gehört mit 399 Euro zu den preisgünstigeren Vertretern unter den als „Funkstrecken" bekannten Systemen zur drahtlosen Audioübertragung. Da für die Übertragung die Frequenz 2,4 Gigahertz verwendet wird, kann Røde Link ohne Genehmigung und Gebühren eingesetzt werden – für klassische Funkstrecken wie den Branchenprimus Sennheiser EK100 G3 werden Gebühren fällig. Das Filmmaker Kit besteht aus einer Sendeeinheit mit Lavaliermikrofon und einer Empfangseinheit. Eine Option mit Aufstecksender für ein Reportagemikrofon gibt es noch nicht, sie ist aber für Winter 2015 unter dem Namen „News Shooter" geplant. Das Signal wird bei der Übertragung permanent überwacht und die Frequenz gewechselt, um immer die stärkste Signalstärke zu gewährleisten. Der Ton wird digital mit 24 Bit und 44,1 Kilohertz übertragen.

Insgesamt ist das System auf eine einfache Bedienung hin optimiert und hat nicht mal ein Bedienmenü. Die Systemkomponenten Ambitionierte Amateure, Hobby-Filmemacher und Profis gehören gleichermaßen zu Rødes Zielgruppe – und so schafft der Hersteller immer wieder den Spagat zwischen hochwertigem Klang und preisgünstigen Produkten.

Beim Røde-Link-Set sitzen Sender und Empfänger in einem Plastikgehäuse, das trotzdem einen stabilen Eindruck macht. Sender und Empfänger sind dabei gleich groß und wirken etwas klobig, vor allem, weil sie dicker ausgefallen sind als die Funkstrecken von Sony oder Sennheiser.

Dafür sind sie aber leichter als diese. Neben zwei Halterungsbügeln, zwei Anschlüssen für den Zubehörschuh und einem 3,5-Millimeter-Klinken-Spiralkabel wird ein Lavalier-Mikrofon mit einem Halteclip und einem fest verbautem Schaumstoff Windschutz mitgeliefert.

Aufmacher Rode Link

Input: Die ständige Neuordnung der Sendefrequenzen ist nicht nur für Filmer ein Ärgernis. Auch die Hersteller sind der Willkür der Behörden ausgeliefert. Da bietet WLAN als verbreitete und ausgereifte Technik eine Alternative. Nach Audio- Technica (Test in Heft 6/2014) setzt nun auch Røde mit dem Røde Link Filmmaker Kit auf diese Technik, um eine preisweite Funkstrecke für Filmer anzubieten.


Rode Link 1

Sender und Empfänger des Røde Link sind vergleichsweise groß, aber sehr leicht und ohne Menü zu bedienen.


Das Kondensator-Lavaliermikrofon hat eine Kugelcharakteristik, ein Fellwindschutz ist dabei; leider fehlt ein Klinke-auf-XLRKabel im Lieferumfang. Etwas eigenartig ist der MiCon-Anschluss, den Røde für das Lavaliermikrofon verwendet, der extra an die 3,5-Millimeter-Klinke mit Schraubverschluss befestigt werden muss. Für den Sender können aber auch alle anderen gängigen Mikrofone mit Schraubverschluss verwendet werden.

Das Gehäuse beider Einheiten lässt sich auf der Rückseite in zwei Stufen mit einem Schiebe-mechanismus öffnen. Eine, um den An- und Ausschalter und die Signalregelung in drei Stufen bedienen zu können, und eine zweite, um die zwei benötigten AA-Batterien einzusetzen. Die Batterie-abdeckung ist gut verschlossen.

Die Inbetriebnahme dürfte dank der gedruckten Schnellanleitung auch für den Laien kein Problem sein. Sender und Empfänger können auch per Micro-USB mit Strom versorgt werden. Mit dem Anschalten von Sender und Empfänger findet sich das WLAN-Pärchen automatisch binnen weniger Sekunden, wenn der richtige Kanal eingestellt ist.

Für den Betrieb mehrerer Røde-Link-Systeme gibt es unter der Batterieabdeckung eine Synchronisations-taste. Dass eine Übertragung stattfindet, zeigt eine grobe Pegelanzeige am Empfänger. Das Røde Link bietet acht Kanäle, theoretisch können also acht Funkstrecken gleichzeitig betrieben werden. Mehrere Sender können dabei aber nicht an einen Empfänger geschickt werden.

Um den Pegel um 10 oder 20 Dezibel zu erhöhen gibt es am Sender einen Dip-Schalter unter dem Batteriefach. Am Empfänger lässt sich damit der Pegel um 10 oder 20 Dezibel verringern. Das sollte für alle gängigen Situationen ausreichen, um die passende Lautstärke einzustellen.

Der Sender hat noch einen Schalter für die Kanalwahl und einen für das „Stummschalten“ des Signals. Mit dem kurzen Drücken der „Ein-Taste“ kann auch der Sender stummgeschaltet werden, angezeigt durch ein rotes Licht. Das kann auch leicht versehentlich passieren, hier wäre ein sicherer Mechanismus zu wünschen. Am Empfänger lassen sich beide Einheiten mit einer eigenen Taste stummschalten. Die Betriebs-LED blinkt rot, wenn das Signal übersteuert. Der Ladezustand der Batterien wird für beide Einheiten am Empfänger angezeigt – leider nur in drei Balken, also nicht besonders exakt. Ob die zehn Stunden Betriebsdauer nun immer genau erreicht werden, ist schwer festzustellen, beim Test mit frischen Batterien kamen wir aber schon über neun Stunden.

Etwas ärgerlich ist, dass sich der Energiesparmodus für das Display nicht deaktivieren lässt. Das führt dazu, dass man nach wenigen Sekunden keine Pegelanzeige mehr auf dem Empfänger sieht. Drückt man dann kurz den An-/Ausschalter, ist die Anzeige wieder für fünf Sekunden da.

Die „Synchronisationstaste" unter der Batterieab-deckung wird in der Kurzanleitung übrigens nicht erklärt. Da bieten die Videos auf der Featurepage www.rode.com/rodelink mehr Informationen. Etwas ärgerlich: Die Halterung für den Zubehörschuh hat eine runde Befestigungsplatte, wodurch sich der Empfänger auf dem Schuh auch bei starkem Feststellen immer noch verdrehen kann.

Performance & Tonqualität

Damit das Funksignal nicht von anderen Signalen gestört wird, setzt das Røde Link auf eine 128-Bit-verschlüsselte WLAN-Technik, die automatisch die besten Frequenzen für die Übertragung sucht. Die Verschlüsselung sorgt dafür, dass die Übertragung nicht von einem anderen Signal unterbrochen wird und wirklich nur bei dem dafür vorgesehenen Empfänger ankommt.

Beim Betrieb in der Nähe dreier unterschiedlicher WLAN und meines eigenen aktivierten Handy-WLAN gab es jedenfalls keine einzige Störung. Ob ein Vortragsraum mit Hunderten von Leuten mit Handys und aktiviertem WLAN dem System doch Probleme bereiten würde, konnten wir noch nicht testen.

Für Standard- Drehsituationen wie Interviews in einem Büro scheint der Einsatz jedenfalls problemlos. Die im Gehäuse untergebrachten Antennen sind im 90-Grad-Winkel verbaut, um den Empfang zu verbessern. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein Diversity- System mit zwei Empfängern, bei dem das jeweils bessere Signal auserwählt wird, sondern nur um eine Bauform der Antennen, die den Empfang verbessern soll.

Wie bei allen Funkstrecken legten wir mit dem Sender eine Strecke mit diversenHindernissen wie Holztüren, Betonwand, Stahltür, Glastür und vier Stockwerken in einem Treppenhaus zurück. Der Empfang ist hier vergleichbar mit der WLAN-Funkstrecke System 10 von Audio-Technica (Test in Heft 6/2014).

Einfache Regipswände und Holztüren über fast 30 Meter sind noch kein Problem. Während des Passierens der Stahltür gab es immer sehr kurze Ausfälle, allerdings stellt sich nach dem Schließen der Tür das Signal wieder vollkommen her. Bei Störungen wird der Ton schnell deaktiviert, so dass der Kameramann kaum Störgeräusche und Knackser ertragen muss.

Beim Gang im Treppenhaus gab es auch ein Stockwerk entfernt noch einen guten Ton, wenn auch mit kurzzeitigen Störungen. Ein Stockwerk tiefer und im Aufzug war dann schlagartig der Empfang weg. Wie stark das Signal tatsächlich ist, wird leider nicht angezeigt. Wenn es unterbrochen wird, blinkt lediglich die Kanalanzeige.

Der übertragbare Frequenzbereich von 60 Hertz bis 18 Kilohertz ist mit etwas weniger Bass, aber etwas mehr Höhen als beim Sennheiser EK 100 G3 völlig ausreichend für Sprachaufnahmen und fast alle anderen Einsatzgebiete. Das mitgelieferte Lavalier-mikrofon klingt fast wie das Sennheiser ME 2 und bietet eine realistische Darstellung der menschlichen Stimme, der es allerdings etwas an Kraft fehlt.

Auch die Signalprüfung zeigte bei beiden Mikrofonen eine sehr ähnliche Frequenzwiedergabe. Vergleicht man den Klang mit Kondensatormikrofonen wie Sennheiser ME 66 oder Røde NTG-3, ist aber ein deutlicher Qualitätunterschied zu bemerken, so dass sich diese Tonaufnahmen kaum miteinander mischen lassen. Auch zu den teureren Lavaliermikrofonen Sennheiser MKE 2 Gold oder dem Tram TR-50 besteht noch mal ein Unterschied: Beide sind hörbar brillanter im Klang.

Mit dem dynamischen Reportagemikrofon Sennheiser MD 46 lässt sich das Røde Link jedoch gut mischen, auch wenn es bei den Höhen etwas abfällt. Ein Grundrauschen ist bei leisen Passagen jedoch schon zu hören, aber im Rahmen anderer Funkstrecken.

Fazit

Bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis setzt sich das Røde Link an die Spitze der bisher getesteten Funkstrecken. Da kann man es sogar verkraften, dass man sich den XLR-Adapter nachkaufen muss. Das Plastikgehäuse macht trotz des Materials einen stabilen Eindruck, und auch der Schiebemechanismus ist gut gegen versehentliches Öffnen geschützt.

Die Bedienung ganz ohne ein Menü ist äußerst einfach, alles Wichtige lässt sich über Tasten aktivieren. Dass die Lautstärke in 10-Dezibel- Schritten eingestellt werden kann, sollte sowohl für DSLR als auch Camcorder ausreichen.

Trotz geringerer Übertragungsstärke als bei Topmodellen in der Preisklasse bis 1000 Euro ist diese Lösung immer noch gut und reicht für die meisten Standardsituationen, die ein Filmer benötigt. Vor allem für Hobbyfilmer oder VJ, die auf einfachste Bedienung Wert legen und sich keine Sorgen um die Gebühren für die Bundesnetzagentur machen wollen, ist es eine gute Alternative.

Es scheint, dass WLAN die Problemlösung für das ständige Frequenz- Roulette werden kann. Weil eingebaute Akkus weniger flexibel sind als der Einsatz von Standardbatterien, würde ich diese Option immer vorziehen – und somit bietet Røde Link mehr Betriebssicherheit als Audio-Technicas System 10 mit einem fest eingebauten Akku.

Testergebnisse

Hersteller: Røde
Produkt: Røde Link Filmmaker Kit
Preis: 399 Euro

Eine Funkstrecke über WLAN mit automatischer Synchronisation und guter Übertragungsqualität. Klasse für kostenbewusste Filmer: Durch den verwendeten Frequenzbereich ist das Funksystem kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar.

+ sehr einfache Bedienung

+ automatische Signalunterdrückung

+ gute Tonqualität

kein XLR-Miniklinken-Kabel

URTEIL: gut
Preis/Leistung: sehr gut

 

Rode Link hinten

Der Schiebemechanismus, hinter dem sich die Batterie und die Schaltelemente für die Lautstärke und das Synchronisieren von Sender und Empfänger befinden, ist eine stabile Lösung.


Rode Link Seite

Das Display des Empfängers (rechts) zeigt Energiezustand des Senders und des Empfängers sowie die Lautstärke in einer groben Pegelanzeige.


Rode Link Sender

Der Røde-Sender lässt sich mit einem Klappbügel befestigen und so bequem an oder unter der Kleidung tragen.

Rode Link 2

So sieht der Røde-Link-Empfänger auf dem Zubehörschuh montiert aus – hier eine Kamera aus Panasonics GH-Serie.


Rode Link kit




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