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Rechtsratgeber: Wettkämpfe filmen - Persönlichkeitsrecht von Sportlern

Auf Wettk√§mpfen filmen und den Verlauf dokumentieren ‚Äď das machen viele, ohne gro√ü dar√ľber nachzudenken. Aber wie sieht es mit dem Pers√∂nlichkeitsrecht der Sportler aus? VIDEOAKTIV erkl√§rt die Sachlage anhand eines neuen Rechtsratgebers.

Sascha H√ľbl ist engagierter Kartfahrer und Filmer. Beim Kartsport ist es vorgeschrieben, einen Motorradhelm zu tragen. Viele der Kartfahrer fahren mit verspiegelten oder stark abgedunkelten Visieren. ‚ÄěDeshalb bin ich mir unsicher, ob es sich um eine Verletzung der Privatsph√§re handelt, wenn ich die Fahrer ohne deren ausdr√ľckliche Erlaubnis aufnehme, obwohl man keinerlei Gesichtsz√ľge erkennen kann."

Antwort Mathias Straub:

Grunds√§tzlich gelten f√ľr Kartfahrer dieselben Regeln wie f√ľr alle Personen: Solange kein Ausnahmefall vorliegt, ben√∂tige ich die Zustimmung einer Person, um diese fotografieren zu d√ľrfen.

 

Das gilt aber nur, wenn die Person √ľberhaupt klar zu erkennen ist. Die Erkennbarkeit ergibt sich meist durch die Gesichtsz√ľge. Die sind jedoch im vorliegenden Fall durch den Helm und das verspiegelte oder get√∂nte Visier dem Blick entzogen.

Allerdings könnte es im Einzelfall (durch die Beschriftungen des Karts, des Helms oder der Kleidung) möglich sein, den Fahrer auch anhand anderer Begleitumstände zu identifizieren. Dabei muss nicht gleich jeder den Fahrer erkennen können, es reicht, wenn nur der nähere Bekanntenkreis des Fahrers durch die sichtbaren Merkmale auf die Person schließen kann.

Eine Erkennbarkeit kann also auch gegeben sein, wenn keinerlei Gesichtsz√ľge des Fahrers zu sehen sind. Meist wird bei Aufnahmen von Kartfahrern aber keine Erkennbarkeit vorliegen.

Aufmacher Sportaufnahmen

Viele filmen auf Sportveranstaltungen ohne dar√ľber nachzudenken, was bez√ľglich des Pers√∂nlichkeitsrechtes der Sportler erlaubt ist und was nicht. Damit Sie auf der sicheren Seite sind, erkl√§ren wir Ihnen in diesem Rechtsratgeber die Details.


 

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Mathias Straub ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt im Musik-, Urheber- und Medienrecht bei Riegger Rechtsanwälte in Ludwigsburg.

 

Doch selbst wenn das so wäre, gibt es noch einige Ausnahmen, in denen er auch ohne Erlaubnis gefilmt werden darf: Das Filmen ist erlaubt, wenn der Fahrer eine prominente Person (sogenannte Person der Zeitgeschichte) ist.

Zu unterscheiden w√§re noch, ob es sich um einen prominenten Kartfahrer handelt oder um einen (aus anderen Gr√ľnden) Prominenten beim Kartfahren: Der prominente Kartfahrer darf in der Aus√ľbung seiner T√§tigkeit auch gefilmt werden, weil dies der zul√§ssigen √∂ffentlichen Berichterstattung √ľber ihn dient.

Anders w√§re dies bei einem ber√ľhmten Schauspieler, der in seiner Freizeit an einem Hobby-Kart-Turnier teilnimmt: Ihn dann ohne Erlaubnis zu filmen, w√ľrde seine Privatsph√§re ber√ľhren und k√∂nnte daher seine Pers√∂nlichkeitsrechte verletzen.

Auch Nichtprominente d√ľrfen gefilmt werden, wenn das Video auf einer √∂ffentlichen Veranstaltung gefertigt wird und sich die abgebildete Person nicht als Blickfang aus dem anonymen Umfeld hervorhebt ‚Äď das Video muss als Abbild der gesamten Veranstaltung einzuordnen sein, nicht als Portr√§taufnahme einer einzelnen oder mehrerer einzelner Personen.

 

Weil es hier aber gerade um Videoaufnahmen der einzelnen Fahrer gehen soll, ist diese Ausnahme hier nicht gegeben. Und schließlich ist es erlaubt, Menschen abzubilden, wenn diese nur als sogenanntes Beiwerk neben dem eigentlichen Motiv des Bildes zu sehen sind. Auch dies liegt bei der Herstellung der Videos von einzelnen Kartfahrern allerdings ziemlich fern.

Fazit:

Liegt keine Erkennbarkeit vor, gibt es kein Problem. Wenn der Fahrer jedoch erkennbar (und nicht zuf√§llig prominent) ist, d√ľrfen solche Videos in der Regel nicht ohne seine Erlaubnis erstellt werden. Diese Einsch√§tzung erfolgt auf Basis der vorliegenden Informationen. F√ľr eine konkrete Bewertung des Einzelfalles m√ľsste der gesamte Sachverhalt gepr√ľft werden.

(Mathias Straub/jos)