YouTube Instagram Vimeo RSS VIDEOAKTIV

Rechtsratgeber: Narren und Bildrecht

Die feucht fröhliche Faschingszeit steht kurz bevor und natĂŒrlich ist bei vielen auch der Camcorder respektive die Kamera mit dabei. Schließlich sind die aufwendigen Verkleidungen teils ein wahrer Hingucker. Doch sorgt eine KostĂŒmierung alleine dafĂŒr, dass man das Persönlichkeitsrecht außer Kraft ist? Eher nicht, meint Fachanwalt Mathias Straub, der fĂŒr diesen neuen VIDEOAKTIV-Rechtsratgeber wieder einmal die passende Rechtsberatung parat hat.

Bei der „Venezianischen Messe“ in Ludwigsburg hat Walter Benesch Aufnahmen gemacht, die sich zur Veröffentlichung eignen. Ihm ist klar, dass er zwar als Kameramann und Fotograf das Urheberrecht an diesen Bildern hat, aber auch das Model hat sein Recht am eigenen Bild. Was tun, wenn kein Veröffentlichungsvertrag geschlossen werden kann, wie bei dieser Messe oder jedem Karneval? Juristen fragen in solchen FĂ€llen nach einem „konkludentem Verhalten“: Wenn ein Model etwa vor der Kamera posiert und dies aus der Pose erkennbar ist, gilt das als einvernehmliche Zusage. Wie ist tatsĂ€chlich die Rechtslage?

Antwort Mathias Straub:

FĂŒr die Models auf der „Venezianischen Messe“ gilt dasselbe wie fĂŒr alle Personen: GrundsĂ€tzlich muss ihre Einwilligung zur Anfertigung und spĂ€teren Verwendung des Fotos vorliegen, wenn die Person zu erkennen ist.

 

Eine Erkennbarkeit liegt hier (trotz aufwendiger KostĂŒmierung) in den meisten FĂ€llen sicherlich noch vor. Konkrete vertragliche Regelungen zur Einwilligung fehlen in diesem Fall jedoch. Allerdings kann eine Einwilligung auch stillschweigend durch entsprechend schlĂŒssiges Verhalten („konkludent“) erteilt werden. Die Person, die fröhlich lĂ€chelnd mit der Kamera flirtet, wird nicht spĂ€ter plausibel darlegen können, sie hĂ€tte ĂŒberhaupt nicht fotografiert werden wollen. Aus der Pose an sich und den aus dem Bild erkennbaren UmstĂ€nden der Anfertigung ist die konkludent erteilte Einwilligung nachweisbar zu ersehen.

Die entscheidende Frage ist aber, wie weit die Einwilligung reicht. Denn hier sind selbstverstĂ€ndlich zahlreiche und feine Abstufungen denkbar, die man im Falle einer konkreten vertraglichen Gestattung auch detailliert regeln wĂŒrde. Fehlen solche detaillierten Regelungen, ist im Wege der Auslegung zu ermitteln, fĂŒr was eine Einwilligung erteilt wurde und fĂŒr was nicht.

Rechtsratgeber Narren

Eine KostĂŒmierung fĂŒhrt nicht automatisch zum Verlust der Persönlichkeitsrechte – wann eine Erkennbarkeit der Person gegeben ist, das bleibt immer etwas schwammig. (Bild: Stadt Ludwigsburg - Venezianische Messe)

 

rechtsratgeber soundtrack II 2

Mathias Straub ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt im Musik-, Urheber- und Medienrecht bei Riegger RechtsanwÀlte in Ludwigsburg.

 

Eine Einwilligung kann nur so weit reichen, wie der einwilligenden Person ĂŒberhaupt bekannt und bewusst war, dass sie diese erteilt. Es kommt also auf die Situation an, in der das Bild entstand. Falls das Model annehmen konnte, die Aufnahme entstehe nur fĂŒr den Privatgebrauch, ist in dem Posieren auch nur eine Einwilligung zu dieser begrenzten Verwendung zu sehen. War jedoch aufgrund der Situation oder eines konkreten Hinweises erkennbar, dass die Bilder auch veröffentlicht wĂŒrden, und stellte sich das Model in Kenntnis dieser UmstĂ€nde fĂŒr das Bild zur VerfĂŒgung, deckt die Einwilligung auch diese Verwertung ab. Dies gilt insbesondere beim Posieren vor Pressefotografen. Nicht erfasst, selbst wenn eine Einwilligung zur Veröffentlichung dem Grunde nach vorliegt, ist zumeist die Verwendung zu fremden kommerziellen Zwecken, also insbesondere fĂŒr Werbung.

Generell ist zu beachten, dass nur die Reichweite der Verwertung gestattet ist, mit der das Model in jedem Fall rechnen konnte. Tendenziell gilt also der Grundsatz: Im Zweifel fĂŒr das Model und nicht fĂŒr den Fotografen und Kameramann.

Diese EinschĂ€tzung erfolgt auf Basis der mir vorliegenden Informationen. FĂŒr eine konkrete Bewertung Ihres Einzelfalls mĂŒsste der gesamte Sachverhalt geprĂŒft werden.

Fazit:

Die Anfertigung der Portraits war erkennbar von einer Einwilligung gedeckt. Ob auch eine Veröffentlichung erfolgen darf, kommt darauf an, ob fĂŒr das Model dieser Verwertungszweck bei der Erstellung des Bildes erkennbar war. Eine kommerzielle Auswertung ist ohne konkrete Einwilligung des Models unzulĂ€ssig.

(Mathias Straub/jos)

Weitere Rechtsratgeber:

Forumthemen