PT 2016

Schnittrechner-Test: Leistung und Rückschlüsse zur Hardware

Anspruchsvolle Cutter kaufen gern ein Schnittsystem vom Spezialisten, von sogenannten Systemhäusern, die den Rechner von Hand zusammenschrauben. Doch nicht jeder will oder kann in die Vollen greifen: Ob auch Komplettsysteme von der Stange für den Videoschnitt taugen und empfehlenswert sind, haben wir anhand von zwei Rechnern von Dell und Lenovo ausprobiert. Im dritten und letzten Teil der Teststrecke veröffentlichen wird die Leistungswerte und gehen auf die Testumgebung ein.
 

Testumgebung und Leistung

Beide Testrechner waren mit Windows 10 Pro respektive Home 64-Bit sowie den neuesten Updates und Treibern ausgestattet. Für den Leistungstest spielten wir jeweils Adobe Premiere Pro CC sowie Grass Valley Edius 8.5 auf, um die Profiriege abzudecken. Im Consumer-Segment setzten wir auf CyberLinks neuen PowerDirector 16 sowie das ebenfalls neue Magix Video Pro X(9), wenn auch dieses eher in die Profiliga gehört, aus Erfahrung aber beim Leistungstest in der Regel gleich abschneidet wie das kleinere Video Deluxe. Aufgrund der schnellen CPU und guten Grafikkarte kann die Lenovo Workstation mit Edius Pro 8.5 überzeugen. UHD-Video mit 24 Vollbildern zeigt sie auf fünf Spuren flüssig, ehe Edius die Vorschau bei Bildverlust automatisch stoppt. In der Regel läuft hier aber auch noch die sechste Spur durch, jedoch mit einer etwas verringerten Bildrate, wenn man die automatische Wiedergabe bei Bildverlust deaktiviert. Mit AVCHD-50p-Material sind es ganze 11 Spuren, ein Top-Wert. Bei AVCHDVideo mit 25 Vollbildern stemmt die Lenovo- Workstation mit Edius problemlos 15 Spuren, ebenso mit dem PowerDirector von CyberLink. Wie aus dem Leistungstest ersichtlich, liegt das Dell-System bei der Echtzeitwiedergabe kaum zurück und schafft nur unwesentlich weniger Spuren, wenn überhaupt. Aufgrund der fast gleichen CPU-Basis kaum verwunderlich. Wie stark die Leistungsfähigkeit eines Rechners von der Schnittsoftware abhängig ist, zeigt sich wie so oft an der jeweiligen Exportgeschwindigkeit. Bei Edius benötigte unsere zweiminütige AVCHD-Datei mit 50 Vollbildern und verringerter Deckkraft rund 146 Sekunden zur Berechnung auf dem Lenovo-System. Der PowerDirector erledigte das in rasend schnellen 44 Sekunden.

Freilich sind die Einstelloptionen im Edius umfangreicher, und hier setzten wir bei der Ausgabequalität etwa auch auf die Option „superfein“. Spannenderweise liegt das Dell-System mit 176 Sekunden dann doch deutlicher zurück, da die Lenovo-Workstation offensichtlich von der etwas schnelleren CPU respektive der zweiten SSD profitiert. Im PowerDirector indes machen die 46 Sekunden Ausgabezeit kaum einen Unterschied zum Lenovo-System. Premiere Pro CC sollte in der Theorie von der schnellen Nvidia Quadro P4000 der Lenovo- Workstation profitieren (so unsere Annahme) und konnte dann auch mit sechs UHD-Spuren überzeugen (wenn dann auch schon eine Verringerung der Bildrate sichtbar war). Selbst sieben Spuren sind kein Problem, stocken dann aber bereits leicht; zu richtigen Aussetzern kommt es aber selbst dann noch nicht.

Dell Lenovo Leistung Titel
Zwei Komplettsysteme von Dell und Lenovo für engagierte Hobby-Cutter, Semiprofis oder Profis mit deutlicher Preisdifferenz – wirkt sich das im Praxisund Leistungstest mit vier Schnittprogrammen aus?
Dell XPS 8920 Lenovo P320 back web
Zwei Komplettsysteme von Dell und Lenovo für engagierte Hobby-Cutter, Semiprofis oder Profis mit deutlicher Preisdifferenz – wirkt sich das im Praxisund Leistungstest mit vier Schnittprogrammen aus?
Leistungstest Adobe Cyberlink web
Echtzeitspuren Adobe Premiere Pro CC und CyberLink PowerDirector 16 Ultra.
Leistungstest Grass Valley Magix web
Echtzeitspuren Grass Valley Edius 8.5 und Magix Video Pro X(9).
Export Adobe Grass Valley
Export-Geschwindigkeit Adobe Premiere Pro CC und Grass Valley Edius Pro 8.5.
Export CyberLink magix
Exportgeschwindigkeit CyberLink PowerDirector 16 Ultra und Magix Video Pro X(9).

Überraschenderweise konnten wir das gleiche Ergebnis mit der Dell-Workstation erreichen. Die Quadro P4000 bringt hier also (zumindest in Premiere Pro CC) keine wirklichen Vorteile, will man einfach nur Videomaterial (ohne aufwendige Effekthascherei) bearbeiten. Auch die Ausgabezeit war mit 104 zu 112 Sekunden nahezu identisch. Genau gleich indes war die Exportzeit mit rund 160 Sekunden in Magix Video Pro X. Das Lenovo- System lag hier allerdings bei der Echtzeitwiedergabe im Schnitt eine Spur vor der Dell- Workstation. Wirklich mau sind allerdings die zwei respektive drei nativen UHD-Spuren, was zeigt, dass das Video Pro X hier allgemein noch Nachholbedarf hat.

Rückschlüsse

Eines kann man, auch mit dem Blick auf unser inzwischen gut zwei Jahre altes Testsystem festhalten: Die Hardware entwickelt sich schneller weiter wie die Software. Oder anders herum: Die Software kann offensichtlich die schnellere und neuere Hardware (noch) nicht optimal ausnutzen. Die Leistungswerte von unserem Testsystem und der beiden Rechner liegen nicht signifikant auseinander.
Dabei spielt die Einteilung in Profiriege und Amateurschnittprogramm eine vergleichsweise kleine Rolle: CyberLinks PowerDirector kann es in Sachen Echtzeit nahezu mit Adobe und GrassValley aufnehmen – auch wenn man dazu sagen muss, dass hier in UHD nur eine Full-HD-Vorschau gezeigt wird. Bei der Berechnung ist die Software dagegen unschlagbar – und das mit nahezu identischen Werten auf beiden Rechnern.
Der Schnittprogramm-übergreifende Test lässt mehrere Aussagen zu: Zum einen haben wir es mit dem nachgerüsteten Arbeitsspeicher beim Dell-System zu gut gemeint. 32 Gigabyte sind im Normalfall für den Videoschnitt ausreichend – es sei denn, man arbeitet mit vielen Animationen oder schneidet enorm lange Projekte. Gleichzeitig kann das Lenovo-System beim normalen Videoschnitt nicht von der relativ teuren, aber leistungsfähigen, Grafikkarte profitieren. Selbst das vergleichsweise stark auf Grafikkartenleistung ausgelegte Adobe Premiere Pro holt hier kaum Vorteile raus. Aber immerhin kommt GrassValleys Edius, das zuletzt mit Version 8.5 Verbesserungen bei der GPU-Berechnung spendiert bekommen hat, bei der Berechnung auf einen Leistungszuwachs von circa 20 Prozent.
Wer sparsam investiert, macht dennoch mit einer Grafikkarte aus der Mittelklasse um 300 – 400 Euro nichts falsch. Auch beim Prozessor kann man etwas sparen, wobei der Unterschied zwischen Core i7 7700 und der Variante mit dem K am Ende gerade mal 30 - 40 Euro ausmacht. Das Ersparnispotential beim Arbeitsspeicher ist größer und gleichzeitig lässt sich der Arbeitsspeicher leichter und ohne unnötig Geld investiert zu haben, im Nachhinein erweitern. Das gilt letztlich auch für das Arbeitslaufwerk. Platz für die Aufrüstung liefern beide Towergehäuse und unser Praxistest offenbart keine großen Differenzen zwischen der definitiv schnelleren SSD und den rotierenden Scheiben einer herkömmlichen Festplatte. Dabei hat die Festplatte aber derzeit klare Vorteile durch die höhere Speicherkapazität während die SSD vergleichsweise teuer ist.

 

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