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iPhone-Spezial 2: Filmerzubehör fürs iPhone

Das iPhone ist ein Vollautomat. Die einzige Einstellmöglichkeit beim Filmen ist die AE/AF-Lock-Funktion: Ein langer Tipp auf ein Objekt im Display, und Schärfe und Helligkeit werden auf dessen Wert fest eingestellt. Eine einfache Möglichkeit, ohne Helligkeitssprünge oder Schärferuckeln zu schwenken. Die hohe Popularität verhalf dem iPhone aber sehr schnell zu vielen Soft- und Hardware-Erweiterungen.
 

Die App Almost DSLR versetzt das iPhone in die Lage, Blende und Fokus getrennt zu definieren, durch einen Einfach- oder Doppeltipp. Auch der Weißabgleich ist arretierbar, den Bildstabilisator dagegen kann man abschalten. Manko: Ungeübten gelingt es kaum, die transparenten Tipptasten auf dem Display schnell zu aktivieren. Almost DSLR stellt jedoch auch die Bildauflösung (Full-HD, 720p und 480p) ein, wobei Standard- Video mit deutlich größerem Weitwinkel aufwartet. Die Aufnahmen speichert die App in einem eigenen Verzeichnis.

Die archivierten Szenen ruft das Schnittprogramm iMovie auf und bearbeitet sie. Die Konvertierung für den Mail- oder YouTube-Versand funktioniert hier schneller als in vielen Schnittprogrammen – und das Dateiformat stimmt immer. Fertige Filme werden per iMovie direkt in die üblichen Portale geladen.

Als Zubehör ist ein HDMI-Ausgangsadapter zur Verbindung mit dem TV erhältlich. Allerdings bleibt am Full-HD-Schirm ein breiter schwarzer Rahmen. Einige Filmer-Apps schalten auch den Live-Ausgang frei. Damit wird Bildkontrolle per Fieldmonitor möglich. Almost DSLR gibt das Video aber senkrecht aus, vermutlich, weil das für die Fernsteuerung der Kamera via Bluetooth von einem zweiten iPhone aus praktischer ist. Den HDMI-TV-Adapter gibt es als elegantes Original von Apple oder als günstigen HDMI-TV-Adapter von Hama. Der funktionierte jedoch im Test mit dem iPhone 4S nicht.

Das iPhone steht beim Filmen gerne unabsichtlich auf dem Kopf. Das Display dreht sich zwar automatisch, das Video selbst wird aber verkehrt herum aufgenommen. Praktisch ist da ein kleiner Griff mit Stativgewinde und Extra-Auslöser namens Belkin LiveAction Grip. Zur Bedienung muss aus dem Apple-Store eine Gratis-App geladen werden. Sie hat eine eigene Nutzeroberfläche mit Digitalzoom, doch hauptsächlich aktiviert sie den Auslöseknopf. Leider floppt diese App für ambitioniertere Filmer, da Belkin die Arretierfunktion für Blende und Fokus vergaß. Alternativ gibt es von Bodelin den ProPrompter SmartGrip Mobile 1 ohne Auslöser, aber mit Stativschraube und einem stabilen Griff.

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Video-Bausatz: Praxis-Werkzeug für Einsteiger und Fortgeschrittene. Mit diesem Zubehör rückten die Tester dem iPhone auf den Pelz.
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Clevere Lösung: Der ALM-Halter mit Weitwinkellinse (189 Euro) ist die Basis anspruchsvoller iPhone-Filmerei. Darauf steckt eine Führungsschiene aus einem Mikrofon-Windschutzkorb, doch hier wurden ein Rode VideoMic Pro (199 Euro) und eine kleine Hama-LED am Schwanenhals aufgesetzt.

Wer ernsthaft filmen will, greift zu einem massiven Metallhalter, der es unter dem Namen OWLE schon zu einiger Berühmtheit gebracht hat, nun aber als mCAM von einer Firma namens ALM hergestellt wird. Der Doppelgriff des Systems, in das das iPhone fast bruchsicher eingebettet ist, beruhigt beim Filmen aus der Hand. Und in jedem Griffende sitzt ein Stativgewinde, zur variablen Befestigung. Zudem können Vorsatzlinsen mit 37-Millimeter-Gewinde aufgeschraubt werden. Wir testeten die mitgelieferte Set-Optik mit 0,45-fachem Weitwinkel, das somit Brennweiten von rund 30 Millimeter ermöglicht. Das Ergebnis: Die Schärfe blieb bis zum Rand erhalten, eine tonnenförmige Verzeichnung musste aber in Kauf genommen werden.

Bei der Firma Schnittpunkt in Köln (shop. schnittpunkt.de), gibt es einen praktischen Rucksack, in dem außer dem mCAM und der Optik gleich noch das Røde VideoMic Pro und ein LED-Lämpchen samt Aufsteckgriff stecken. Ein leichtes Manfrotto-Videostativ wird ebenfalls mitgeliefert, und so entsteht eine professionelle iPhone-Produktionseinheit, für die Schnittpunkt 526 Euro (ohne Mehrwertsteuer) verlangt.

Weniger hoch, dafür flexibler zur Befestigung des iPhone in beinahe allen Lebenslagen ist das Cullmann Flexx-Kit. Ein stabiles Ministativ, ein Saugnapf und eine Uni-Klemme stecken in einem kleinen Wickeletui, das auch noch in den Rucksack passt. Minuspunkt ist eine Plastikklemme, die für das iPhone zu schwach ausgelegt ist; aber sie hilft beim Befestigen von Reflektoren oder Schattentoren, denn Gegenlicht mag das iPhone gar nicht.

Ein Clou ist das Schwebestativ Smoothie von Tiffen – ein echtes Steadicam vom Originalhersteller. Das iPhone klickt per Schnellverschluss in die Stativplattenaufnahme. Dieses Schwebestativ funktioniert nahezu perfekt, leider zeigt es im Test bei Vorbeifahrten im Auto auch deutlich die Neigung zu Rolling-Shutter-Verzerrungen.

FAZIT

Technisch ist die Kamera im iPhone eine Überraschung. Wird sie ruhig gestellt, sind technisch einwandfreie Ergebnisse möglich. Die Bildschärfe der kleinen Optik überzeugt, weniger die variable Bildrate und der Autofokus. Das Zoom wird vermisst, die Vorsatzlösungen sind nur die halbe Miete. Die Versuche, mit cleverem Bonsai-Zubehör aus dem iPhone gute Ergebnisse hervorzulocken, machen Freude und geben dem Videohobby Impulse. Gleichzeitig sind aber mit entsprechenden Hilfsmitteln auch professionelle Ergebnisse für Webanwendungen möglich. Die meisten Einsteiger- Camcorder und No-Name-Pocket- und Billiggeräte haben ausgedient.

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