Interview: Arri Alexa LF - die Hintergründe zum neuen Kinostandard

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Kamerabauer Arri hat mit der Alexa LF einen neuen Kinostandard aus der Taufe gehoben. Im Interview mit VIDEOAKTIV erklären die zuständigen Produktmanager Thorsten Meywald und Marc Shipman-Mueller die Hintergründe.
 
Wir haben uns in der VIDEOAKTIV 4/2018 die Arri Alexa LF genau angesehen und ein paar Testclips aufgenommen. Den Spektakulärsten zeigen wir in bestmöglicher Youtube-Videoqualität hier. Ergänzend folgt nun unser Background-Interview. Das Arri-LF-System ist eine Sensation, da die Münchner Firma nicht nur eine Kamera mit Riesensensor (4448 x 3096 Pixel) und einem Format oberhalb des Kleinbild-Vollformates präsentiert, sondern auch gleich eine Serie dazu passender Optiken ausliefert, die eher leichter sind als bisherige Prime-Linsen. 16 Stück davon soll es bis Mitte 2019 geben.

Zur Sensation wird das System allerdings, weil Arri einen Anschluss namens LPL dafür gebaut hat, der den bisherigen PL-Mount ablösen soll. Kein Hirngespinst, denn er ist kompatibel zum bisherigen Standard-PL-Mount, der im Bereich Serien und Kino üblich ist. Arri hat mit der LF also dem Wunsch der Industrie Rechnung getragen, endlich auch eine echte 4K-Kamera bieten zu können. Doch anders als vermutet, wurde es eben nicht ein Super-35-Modell, sondern gleich eine völlige Neuentwicklung, die nun auch die kleine Schärfentiefe und den Bildlook herstellt, den manche Kameraleute an filmenden Kleinbild-(Vollformat)-Kameras à la Canon 5D oder Sony Alpha 7 so lieben. Die konkreten Beweggründe für diese bahnbrechende Entwicklung lesen Sie im folgenden Interview:

Wir waren überrascht: Was hat Arri dazu bewogen, jetzt ein komplettes Vollformat-Kamerasystem zu entwickeln?

Marc Shipman-Mueller: Wir haben schon eine Kamera namens Alexa 65 mit einem noch deutlich größeren Sensor. Davon gibt es aber nur 70 Stück im Verleih. Jetzt, dachten wir, sei die Zeit reif, das Thema anzugehen. Obwohl es in der Firma auch skeptische Stimmen gab. Doch wir sehen, dass der Bedarf immer größer wird, da viele Produktionen diesen Look schätzen. Und deshalb gibt es nun dieses Verkaufsprodukt.

Thorsten Meywald: Ja, bei uns gab es noch keine Vollformat-Objektive. Es gibt hauptsächlich Vollformat-Fotooptiken und für Film umgebaute Fotooptiken, aber einen extra für die Kinoanforderungen entwickelten Satz gibt es so nicht. Und wir brauchen eine verlässliche Serie von 16 Stück, die alle die gleichen Charakteristiken und den gleichen Look aufweisen müssen.

2018 06 05 Arri Alexa LF Inteview Titel

VIDEOAKTIV hat sich bei Arri die neue Alexa LF angeschaut und nachgefragt, was es mit der neuen Kinokamera, dem LPL-Mount den Signature Primes auf sich hat.

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Die neue Alexa LF setzt auf einen Large Format Sensor für 4,5K-Video. Dazu führt die Kamera den LPL-Mount für kleinere und leichtere Objektive ein.
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Der große LF-Vollformatsensor. Der LPL-Mount kann mit dem PL-to-LPL-Adapter direkt verbunden werden. Das bringt Kompatibilität zu bisherigen Optiksystemen.

Ist da Zeiss wieder der Partner?

Thorsten Meywald: Die mit Zeiss gemeinsam entwickelten Produkte Ultra Primes, Master Primes und Master Anamorphics sind sehr erfolgreich am Markt. Diese Produkte wird es weiterhin geben. Mit Blick auf die neuen Signature Primes haben wir uns aber für einen weiteren Partner entschieden. Dieser stammt aus Japan, und wir freuen uns sehr auf diese gemeinsame Zusammenarbeit. Sie können sich darauf verlassen, dass wir eine ausreichend große Stückzahl von Signature Primes zur Verfügung stellen werden. Die letzten werden die äußerst aufwendigen 15- und 12-Millimeter-Objektive sein. Die haben dann auch keinen 114er Durchmesser, sondern 156 Millimeter wegen des großen Bildwinkels. Das ist immer noch passend für die LMB6, die große Mattebox.

Warum aber gleich ein neues Gesamtsystem? Wir hätten zunächst eine ALEXA-Kamera mit höherer Bildauflösung erwartet, da der bisherige Sensor noch keine echte 4K-Auflösung konnte.

Marc Shipman-Mueller: Die höhere Auflösung war gar nicht der springende Punkt. Sehr viele Kameraleute sind ja mit unserer Alexa-Bildqualität höchst zufrieden. Die meisten Kinofilme werden mit den Super-35-Alexas gedreht, wie zum Beispiel auch „Blade Runner 2049“, der ja den Oscar für die „Beste Kamera“ gewonnen hat. Was die Kameraoptionen unserer Kunden ein wenig limitiert hat, waren die Anforderungen von Netflix. Die verlangen in den technischen Anforderungen 3840 horizontale Fotozellen, also 4K UHD. Und da haben wir mehrere Shows verloren. Netflix gibt zurzeit im Jahr Milliarden für ihre Eigenproduktionen aus. Und jetzt freuen sich die Produktionen natürlich, dass sie mit der ALEXA LF auf für Netflix drehen können.

Aber Netflix ist doch nicht alles?

Marc Shipman-Mueller: Natürlich nicht, aber Serien sind ein wichtiger Markt. Gegenwertig, würde ich sagen, werden über 70 Prozent aller Spielfilme und High-End-TV-Serien bereits mit der ALEXA gedreht.

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