Es verspricht der wohl langweiligste Film aller Zeiten zu werden, doch dafür hat er eine sehr eng umrissene Zielgruppe: "Paint Drying" des englischen Filmemachers und Journalisten Charlie Lyne zeigt genau das, was der Titel vermuten lässt - eine statische Einstellung einer Wand, an der weiße Farbe trocknet. Das klingt nicht nach einem Hit an den Kinokassen, und das ist passenderweise auch gar nicht beabsichtigt. Vorgesehen ist der Film allein für das "British Board of Film Classification" (BBFC), einer Einrichtung, die vergleichbar ist mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft in Deutschland.
Ihre Aufgabe ist es, Altersfreigaben zu erteilen und dafür haben zwei Mitarbeiter jeden eingereichten Film anzusehen, auf anstößige Stellen zu untersuchen und anschließend einen detaillierten Bericht zu schreiben. Das ist nicht ganz billig, und so sieht Lyne sein Projekt als die mit britischem Humor umgesetzte Rache für die hohen Kosten des BBFC, die für unabhängige Filmemacher ein Problem sein können.
Wie lange die BBFC-Mitarbeiter der Wandfarbe beim Trocknen zusehen müssen, hängt vom Erfolg des gerade angelaufenen Kickstarter-Projekts ab, denn jeweils pro sieben Pfund Unterstützungsbeitrag wird der Film um eine Minute länger. Aktuell sind gut fünf Stunden finanziert, noch 26 Tage läuft die Aktion. Kickstarter-Unterstützer laufen übrigens nicht Gefahr, das Werk selbst ansehen zu müssen, denn sie bekommen stattdessen als Dank eine digitale Kopie des BBFC-Freigabezertifikats.
In der Hoffnung, genügend Geld für einen neuen Rekord einzusammeln, hat Lyne vorsorglich schon mal vierzehn Stunden Material gedreht (in knackscharfem 4K natürlich!). Der bisher längste vom BBFC begutachtete Film datiert bereits aus dem Jahr 1971: Damals breitete Regisseur Jacques Rivette sein Werk "Out 1" immerhin auf mehr als zwölf Stunden aus, wobei Besetzung und Handlung etwas umfangreicher waren als es bei "Paint Drying" zu erwarten ist.