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30-Minuten-Grenze für videofähige Fotokameras in der EU?

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    30-Minuten-Grenze für videofähige Fotokameras in der EU?

    Bekanntlich gibt es Kameras (darunter die Panasonic DMC-GH4), die in Europa nur als "kastrierte" Version verkauft werden mit einer maximalen Aufnahmedauer von 29'59" - während das ansonsten gleiche Modell, das in den USA verkauft wird, diese Beschränkung nicht hat.

    Wann immer das Thema aufkommt, liest man sowas wie: "In der EU gelten Kameras ab 30 Minuten Aufnahmedauer als Videokameras und unterliegen einem höheren Zollsatz."
    Ich habe versucht, die rechliche Grundlage dieser Behauptung ausfindig zu machen, und ich finde sie einfach nicht. Es müsste, wenn es stimmt, doch irgendwo ein Gesetz oder eine Vorordnung geben, wo diese magischen 30 Minuten genannt werden.

    Was ich rausgefunden habe:

    Es gibt in der Tat dreierlei Zollsätze, die für videofähige Kameras in Frage kommen: Digitale Fotokameras sind zollfrei, Videokameras unterliegen 4,9 % Einfuhrzoll und Videokameras mit externer Aufnahmefunktion (Videoeingang) unterliegen 14 % Einfuhrzoll.
    (Die Älteren unter uns erinnern sich: Die letzten beiden waren der Grund, warum früher an EU-Camcordern oft die Videoeingänge nicht freigeschaltet waren. Zur Zeit von DV und HDV, als man geschnittene Videos zurück auf Band spielte, ein echtes Ärgernis.)

    Bleibt offen, wann eine Kamera als digitale Fotokamera (zollfrei) oder als einfache Videokamera (4,9 % Zoll) eingestuft wird. Und hier hakt es. Ich finde kein Dokument, das eine klare Grenze definiert.

    Im Jahr 2006, als die Videofunktionen in Digitalkameras langsam brauchbar wurden, gab es offenbar schon mal einen Streit innerhalb der EU. Die Hersteller und der Handel beriefen sich auf eine Richtlinie der WTO, laut der elektronische Geräte nach ihrem vorrangigen Zweck eingestuft werden müssen. In aller Regel sollten Fotokameras daher trotz Videofunktion nicht als Videokameras gelten. (Zugegeben: Im Fall von Universalkameras wie der besagten Panasonic DMC-GH4 ist das nicht mehr so leicht zu entscheiden.)

    Damals, 2006, sicherten sich Hersteller durch verschiedene Einschränkungen ab: Etwa Canon beschränkte die Videoaufnahmen auf 1 Stunde Länge, Casio sogar auf 10 Minuten. Erst allmählich pendelte sich herstellerübergreifend die heute gebräuchliche Obergrenze von 29'59" ein.
    Die Frage ist: Hat es sich tatsächlich nur so eingependelt, also halten sich die Hersteller "freiwillig" an diese Grenze, und die EU hält in Sachen Zoll-Einordnung derweil still?
    Oder gibt es mittlerweile doch das eine, klare Dokument (egal ob von EU oder WTO), das diese Grenze eindeutig definiert?

    Ich bin auf der Suche nicht weitergekommen. Spätestens in den (englischsprachigen) juristischen Texten der WTO stoße ich an meine Grenzen.
    Aber vielleicht könnte ein Redakteur von VAD die Frage mal recherchieren? Man könnte bei einem Juristen nachfragen, oder auch bei den Herstellern. Die müssten doch eigentlich wissen, warum sie ihre Kameras für den EU-Markt so einschränken, wie sie es derzeit tun.

    #2
    Zitat von beiti Beitrag anzeigen
    Es müsste...doch irgendwo ein Gesetz oder eine Vorordnung geben, wo diese magischen 30 Minuten genannt werden.
    Die offiziellste Information, die ich dazu kenne, stammt von einer Webseite der britischen Steuer- und Zollbehörde, auf der es heißt: "Still image digital cameras with video capture capabilities (using the maximum storage capacity) of recording with a quality at or exceeding 800x600 pixels at 23 frames per second, at least 30 minutes in sequence video are classified under subheading code 8525 80 91 00 or under subheading code 8525 80 99 00. Otherwise they are classified under subheading code 8525 80 30 00." (Hervorhebung von mir)

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      #3
      Interessant. Die Angaben auf der britischen Seite enthalten also eine erweiterte Definition, in der die 30-Minuten-Grenze tatsächlich vorkommt.

      Ich habe dieselben Nummern auf einer deutschen Zoll-Seite gefunden, und da fehlen genau diese Details:
      http://www.zolltarifnummern.de/2014_de/85258030.html
      http://www.zolltarifnummern.de/2014_de/85258091.html
      http://www.zolltarifnummern.de/2014_de/85258099.html

      Auch auf der TARIC-Seite der EU wird nicht näher spezifiziert:
      http://ec.europa.eu/taxation_customs...0&LangDescr=en
      Da gibt es jede Menge Fußnoten - bis hin zur aktuellen Einfuhrbeschränkung für Waren von der Krim (also nur für den Fall, dass auf der Krim mal Digitalkameras gebaut werden :bashful:).

      Aber die Engländer werden es ja nicht erfunden haben...

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        #4
        Zitat von beiti Beitrag anzeigen
        Aber vielleicht könnte ein Redakteur von VAD die Frage mal recherchieren? Man könnte bei einem Juristen nachfragen, oder auch bei den Herstellern. Die müssten doch eigentlich wissen, warum sie ihre Kameras für den EU-Markt so einschränken, wie sie es derzeit tun.
        Die Frage ist schon länger geklärt: Ein Fotoapparat ist es nur wenn, so wie es Bernd E. auch zitiert hat, die Aufnahmedauer unter 30 Minuten liegt. Wir haben die Hersteller schon häufig gefragt, warum es denn keine aufpreispflichtige Option für die Freischaltung gibt, so dass der Hersteller den Importzoll einfach an die Käufer weiterreicht. Doch die Hersteller sehen hierfür derzeit keinen ausreichenden Markt und belassen es bei der Einschränkung.
        Viele Grüße
        Joachim Sauer

        Wir freuen uns, wenn Ihr unser Portal videoaktiv.de besucht und natürlich unseren YouTube-Kanal mit jeder Woche interessanten Videos abonniert.

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          #5
          Ich bin sicher, dass die Angaben auf den Seiten des britischen Zoll inhaltlich korrekt sind. Ist immerhin eine offizielle gov.uk-Seite. Und wenn das für Großbritannien gilt, gilt es aufgrund der einheitlichen EU-Zollgesetze wohl auch für Deutschland.

          Allerdings bietet die Seite nur eine praktische Zusammenfassung und nicht die originalen Gesetzestexte und Regelungen, die dahinterstehen. Das erkennt man schon an der Zusammenlegung mehrerer Zollnummern wie 85258091 oder 85258099 in einer gemeinsamen Beschreibung - übrigens ohne Hinweis auf deren Unterscheidung, also wann auf eine Digitalkamera die teurere Zollnummer 85258099 (Videokamera mit Aufnahmefunktion für Fernsehsendungen) zutreffen könnte.

          Warum ich es wichtig finde, rauszukriegen, wo die Regelung genau steht? Das wäre die Voraussetzung, um konkrete Änderungen zu fordern, z. B. in Form einer Petition (wenn das an der zuständigen Stelle möglich ist).

          Was so oder so geht, wäre die Forderung an die EU, die Zollsätze für Digitalkameras und Videokameras (also die drei Nummern 85258030, 85258091 und 85258099) zu vereinheitlichen - vorzugsweise auf die 0 %, die derzeit für digitale Fotokameras gelten. Dann wäre die Unterscheidung nach Aufnahmezeit - obwohl formal noch bestehend - für die Einfuhr in die EU bedeutungslos.

          Eleganter fände ich, diese Unterscheidung an sich zu ändern oder zu verwerfen, d. h. digitale Kameras jeglicher Art künftig gleich zu behandeln - was der technischen Entwicklung gerecht würde, die immer weniger zwischen Foto- und Videokameras trennt.
          Dazu müssten wir aber erst mal wissen, wo diese Unterscheidung festgelegt ist. Wenn es nur eine EU-Verordnung ist, sollte sie verhältnismäßig leicht zu ändern sein. Falls es jedoch Teil einer WTO-Vereinbarung ist, die weltweit gilt, ist das wesentlich schwieriger.

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            #6
            Zitat von beiti Beitrag anzeigen
            Was so oder so geht, wäre die Forderung an die EU, die Zollsätze für Digitalkameras und Videokameras...zu vereinheitlichen - vorzugsweise auf die 0 %, die derzeit für digitale Fotokameras gelten. Dann wäre die Unterscheidung nach Aufnahmezeit - obwohl formal noch bestehend - für die Einfuhr in die EU bedeutungslos.
            Die Unterscheidung, wie sie heute gehandhabt wird, hat sich in der Tat überlebt, das sehe ich ganz genauso. Allerdings neigen Staaten dazu, ungern auf Steuereinnahmen zu verzichten, die sie einmal haben, so dass ich mir eine Vereinheitlichung eher auf den Camcorder-Satz von 4.9% vorstellen kann denn auf null Prozent. Genau dahin zielte zumindest bereits der Vorstoß der Europäischen Kommission vor ein paar Jahren, und das würde dann einen höheren Preis für alle Fotokameras bedeuten.

            Zitat von beiti Beitrag anzeigen
            Wenn es nur eine EU-Verordnung ist, sollte sie verhältnismäßig leicht zu ändern sein. Falls es jedoch Teil einer WTO-Vereinbarung ist, die weltweit gilt, ist das wesentlich schwieriger.
            Wenn ich die aktuellen Bestrebungen richtig interpretiere, dann ist es eigentlich derzeit genau umgekehrt. Anscheinend plant die WTO seit 2012 eine Änderung der einschlägigen Verordnung namens "Information Technology Agreement" auf eine Weise (die Einzelheiten habe ich nicht recherchiert), die die 30-Minuten-Grenze hinfällig machen würde. An dieses weltweite Übereinkommen wäre dann automatisch auch die EU gebunden.

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              #7
              Bei meiner GH1 konnte ich durch eine Firmwaremanipulation die Beschränkung aufheben.

              Allerdings wollte ich es nur wissen ob es geht, eine so lange Videosequenz hatte ich aber noch nie.

              Die Frage ist ob man das wirklich braucht!

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                #8
                Zitat von fotoandi123 Beitrag anzeigen
                Die Frage ist ob man das wirklich braucht!
                Für szenischen Film braucht man es sicher nicht. Aber für die Aufzeichnung von Vorträgen, Theateraufführungen, Konzerten etc. sind längere Aufnahmezeiten unabdingbar. Das mögen die Mozart-Fans überhaupt nicht, wenn mitten in der Sinfonie ein Sprung im Ton ist, weil die Kamera eine neue Datei angefangen hat.;) Außerdem erleichtert es auch ungemein das Synchronisieren mehrerer Kameras und Audiorecorder, wenn alle Aufnahmen durchgehend sind.

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                  #9
                  Zitat von beiti Beitrag anzeigen
                  Für szenischen Film braucht man es sicher nicht. Aber für die Aufzeichnung von Vorträgen, Theateraufführungen, Konzerten etc. sind längere Aufnahmezeiten unabdingbar.
                  Na dann kauf dir eben einen Ninja von Atomos und das Problem ist gelöst...

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                    #10
                    Diese Lösung schlägt allerdings mit ordentlichen Mehrkosten zu Buche und sie setzt voraus, dass die Kamera über HDMI das gewünschte Signal ausgibt bzw. nicht in ihrer Funktion eingeschränkt wird, sobald ein Rekorder über HDMI angeschlossen wird. Bei filmenden Fotokameras hakt es leider manchmal schon an diesem Punkt.

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                      #11
                      Natürlich sind das Mehrkosten. Und das ist auch nur dann sinnvoll, wenn man diese Mehrkosten auch wieder verdienen kann - aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Grundsätzlich sollte es halt so sein, dass man für die Kombination einer Kamera mit dem Ninja sich auch vorher informiert, ob die Kombination Sinn macht - zumindest ein clean output ist notwendig. Einige Kameras wurden aber sogar soweit optimiert, dass man von der Kamera aus den Ninja starten kann - was eine feine Sache ist.

                      Trotzdem ändert das Alles nichts am Faktum, dass dieses 30 Minuten Limit für viele Filmer schwierig ist. Ich würde gerne ein paar %-Punkte mehr zahlen, um das 30 Minuten Limit freigeschalten zu haben - aber das dürften die Hersteller einfach nicht anbieten können/wollen.
                      Lieben Gruß,
                      Wolfgang
                      http://videotreffpunkt.com

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                        #12
                        Zitat von VIDEOTREFFPUNKT Beitrag anzeigen
                        ... aber das dürften die Hersteller einfach nicht anbieten können/wollen.
                        Das "Können" ist definitiv nicht das Problem - man muss nur den entsprechenden Zoll bezahlen. Es scheitert derzeit offensichtlich daran, dass die Hersteller nicht abschätzen können ob es für sie betriebswirschaftlich Sinn ergibt.
                        Viele Grüße
                        Joachim Sauer

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                          #13
                          Stimmt!

                          Aber wenn die das nie ausprobieren, werden sie das nie herausfinden - wie viele Käufer so eine Funktionalität wirklich frei schalten würden.

                          Ich meine: in Zeiten, wo man händeringend nach Verkäufen sucht, sollte man sich solche Dinge nicht entgehen lassen. Man kann ja für so ein Service durchaus was verlangen.
                          Lieben Gruß,
                          Wolfgang
                          http://videotreffpunkt.com

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                            #14
                            Es dürfte doch auch kein Problem sein, einen Service für die Kameras anzubieten, bei dem dann kostenpflichtig (Zollgebühr) die entsprechenden Einstellungen in der Kamera vorgenommen werden.
                            Dann könnten die Hersteller auch schnell sehen, wie groß die nachfrage ist.
                            Das wäre doch mal eine schöne Sache für die Redaktion z.B. bei Canon, Nikon oder Panasonic anzufragen, ob sie diesen Service nicht anbieten könnten.
                            Gruß

                            Hans-Jürgen

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                              #15
                              Die Frage stelle ich bei jedem Redaktionsbesuch - konkrete Antworten habe ich noch nie erhalten. Hauptproblem scheint mir zu sein, dass sich bei den Herstellern niemand so richtig zuständig fühlt.
                              Viele Grüße
                              Joachim Sauer

                              Wir freuen uns, wenn Ihr unser Portal videoaktiv.de besucht und natürlich unseren YouTube-Kanal mit jeder Woche interessanten Videos abonniert.

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