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Die ersten Blu-ray BD-ROM Produktionsanlagen

Während Unterhaltungselektronikhersteller und Filmindustrie noch um den Nachfolger der DVD ringen, bereiten sich die Medienhersteller auf den erwarteten Boom vor.
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Silberling mit 25 GB Kapazität: Die Produktion kann beginnen.

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Made in Germany: Singulus liefert die ersten Blu-ray BD-ROM Produktionsanlagen derzeit nach USA und Japan aus.

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Stephan Hotz ist davon überzeugt die Kapazität der Blu-ray Produktionsanlage in den nächsten Monaten deutlich steigern zu können.

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Weltpremiere: Das Fachpublikum durfte auf der Singulus-Hausmesse die erste Produktionsanlage für BD-ROM-Scheiben bewundern.


Doch hinter den Kulissen treibt der Formatestreit bunte Blüten und verursacht im eher versteckten Bereich der Medienproduktion einen erhöhten Entwicklungsaufwand. Denn soll sich ein Format durchsetzen, muss es die passenden Medien in Massen geben: Sowohl als BD-ROM als auch als BD-R- und BD-RE (Rewritable)-Medium. Doch dazu braucht es wiederum die Produktionsanlagen. Weltmarktführer für diese Produktionsanagen ist Singulus im fränkischen Kahl. Um diese Position nicht abgeben zu müssen entwickelt man hier schon seit Sommer 2004 an einer eigenen Fertigungsstraße für Blu-ray-ROM-Scheiben. Parallel lief die Weiterentwicklung der CD- und DVD-Fertigungsstraße, so dass diese in Zukunft auch HD-DVDs herstellen kann. „Der doppelte Entwicklungaufwand ist für unser Unternehmen eine hohe Belastung, so Unternehmenssprecher Bernhard Krause, „doch so lange der Markt nicht entschieden hat welches Medium angenommen wird bleibt uns keine andere Wahl.“

Wie vom HD-DVDLager propagiert ist der Aufwand für die HD-DVD Scheibenproduktion erheblich geringer als bei Blu-ray. Der Hauptgrund: Wie bei CD und DVD HD-DVD liegt die Informationsschicht in 0,6mm Tiefe. Der Produktionsprozess bleibt deshalb weitgehend identisch. Möglich macht dies die identische Dicke des Polycarbonat-Rohlings, die den gleichen Produktionsablauf zulässt. Dadurch verringern sich für die Kopierwerke die Investitionskosten – ein Hauptargument mit dem die HD-DVD-Liga für ihr Format wirbt.Die gleiche Produktionsvorteil soll es auch bei der Rohlingherstellung, also bei der HD-DVD-R, geben.

Die ganze Zukunftshoffnung steckt dennoch im neusten Produkt: Mit der BluLine lassen sich Blu-ray-ROM-Scheiben (BD-ROM) herstellen. Die Entwicklung ging in Cooperation mit Sony, auch wenn diese in Japan und zwei weiteren Standorten ganz eigen entwickelte Anlage betreibt. „Doch das deckt den Weltmarkt bei weitem nicht ab", so Niki Katasumata, bei Sony zuständig für die Blu-ray-Cooperationen.
Man ist also auf weitere Kapazitäten bei den Kopierwerken dringend angewiesen. Singulus soll dafür sorgen, dass diese in der Lage sind in ausreichender Stückzahl Blu-ray-Scheiben zu produzieren. Doch dazu musste massiv entwickelt werden. Produktmanager Stephan Hotz: „Am Anfang war einfach nicht klar, ob die Informationsschicht ausschließlich per Film oder auch per Lack aufgetragen werden kann. Entsprechend haben wir hier in zwei Richtungen entwickelt und lassen den Kunden entscheiden welche Produktionsmethode ihm lieber ist.“ Das Problem: Der Film kommt auf einer Rolle aus dem der runde Durchmesser der Scheibe ausgestanzt wird. Der Rest des teuren Materials ist Müll. Beim Lack kann man dagegen die für eine gleichmäßige Schicht notwendige Überschußmenge auffangen und dem Produktionsprozess wieder zuführen. Allerdings ist das auftragen der Schicht eine Wissenschaft aus aufgetragener Menge, Umdrehungszahl für die Verteilung und Trocknungszeit. Das gleiche gilt für die nur 0,1 mm dicke optische Schicht, die über dem Datenlayer aufgetragen wird. Sie wird in zwei Arbeitsschritten in 50µ und 46µ ausgeführt. Die dünnernen Schichten lassen sich leichter beherrschen und zudem mit der zweiten Schicht eventuelle ungleichmäßige Verteilung ausgleichen. Zum Abschluss wird dann noch ein nur 4µ dünner hochfester und kratz unempfindlicher Lack aufgebracht. Der Knackpunkt an der Anlage ist die Produktionszeit für eine Scheibe. Sie liegt derzeit bei 5 s, soll aber auf Dauer auf circa 3 s optimiert werden. Der Produktmanager für die neue Bluline Stephan Hotz erklärt: „Schon bei der ersten Spaceline haben wir allein durch die Optimierung der einzelnen Prozesse mit der gleichen Anlage die Durchlaufzeit von knapp 6 Sekunden am Anfang, auf letztlich 2,8 Sekunden optimiert.“ Ein ähnliches Potenzial sehen die Entwickler der neuen Bluline-BD-ROM-Anlage. Dabei verdient Singulus an dieser Weiterentwicklung bestehender Anlagen nichts: „Das gehört einfach zum Kundenservice, auch wenn wir allein mit der Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Anlagen maßgeblich die Kapazitäten der Weltproduktion erhöhen, ohne dass wir neue Maschinen verkauft haben. Aber der Druck unserer Kunden ist einfach sehr groß.“.
Derzeit hat die Bluline eine Effizienz von 80 Prozent, 20 Prozent der BD-ROMs sind nicht brauchbar. Bei der CD- und DVD-Produktion arbeitet man dagegen mit einem Ausschuss unter 5 Prozent. Mit Verbesserungen müsste Singulus rein rechnerisch die Tageskapazität von derzeit etwa 15.000 Scheiben am Tag auf knapp 28.000 steigern können. 

Sieben Bluline-Anlagen hat Singulus bisher gebaut. Zwei stehen im Werk für die Weiterentwicklung der beiden Produktionsmethoden (Film Bonding und Lack), fünf sind bereits an Kunden ausgeliefert. Eine Serie von zehn weiteren legt Singulus nun auf, wobei davon bereits fünf zu einem Stückpreis von circa 1,5 Millionen verkauft sind. Damit ist Singulus dem selbst gesetzten Jahresziel von 15 Stück schon recht nah. Dem gegenüber stehen allerdings bereits 70, seit Juli 2005 ausgelieferten Spaceline II HD Anlagen, die neben CDs und DVDs auf Knopfdruck auch HD-DVDs produzieren können. Damit ist derzeit zumindest das Versprechen der HD-DVD-Liga erfüllt: Die HD-DVD lässt sich einfacher in großen Mengen herstellen. Ob sich daraus am Anfang ein Wettbewerbsvorteil ergibt, ist allerdings noch nicht entschieden. Wie bei der DVD dürfte wohl auch jetzt die R- und RW-Medien maßgeblich zum Erfolg sein. Auch hier wird voraussichtilich die HD-DVD durch die technische Nähe zur DVD bei den Fertigungsmengen und -kosten im Vorteil sein. Erste Tests bei Singulus mit einer auf die HD-DVD umgerüsteten DVD-R-Produktionsanlagen sind bereits zur Zufriedenheit gelaufen. Eine Fertigungsstraße für BD-R und BD-RE soll dagegen erst 2007 fertig sein. Doch immerhin hat TDK als erster Hersteller ab April BD-R (25 GB/15 Euro) und BD-RE Medien (25 GB/20 Euro) angekündigt. Fujifilm will im Sommer die ersten Blu-ray-Medien liefern, und auch Sony hat in Japan eine Produktionsanlage für wiederbeschreibbare Medien eingerichtet. Dennoch muss man bei BD-R und BD-RE am Anfang mit einer extremen Verknappung rechnen, denn entsprechende Brenner sind von LG, Panasonic, Pioneer, Samsung und Sony angekündigt. Mit der bisher bekannten Anzahl an Produktionsanlagen lässt sich der Bedarf des Weltmarkts wohl kaum decken. 


(jos)
 
 
 
Infos zum Hersteller: Singulus Technologies AG