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  1. #1
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    Allgemeine Fragen

    Hallo, zusammen

    Ich habe ein paar Fragen zum Thema Camcorder, auf die ich trotz langer Suche im Netz, keine Antworten gefunden habe. Hoffe, ihr könnt mir helfen.

    1. Wenn man ein Normalobjektiv mit 35 mm Brennweite doppelt so groß baut, bleibt dann die 35 mm Brennweite bestehen oder verlängert sie sich?

    2. Wenn sich bei der Vergrößerung des Normalobjektivs nur der Linsendurchmesser verdoppelt, aber die Dicke gleich bleibt, ist die 35 mm Brennweite dann immer noch vorhanden.

    3. Wie groß können/dürfen Dioden maximal sein? Gibt es da eine Grenze für die Bildwiedergabe?

    4. Ein größerer Bildsensor kann mehr Licht einfangen, ein Vorteil beim Filmen mit wenig Licht. Gibt es auch einen Vorteil bei perfekten Lichtbedingungen?

    5. Linsen, die für schwere TV-Schulterkameras verwendet werden, haben einen Durchmesser von 10 - 11 cm. Mit großen Linsen kann man mehr Licht einfangen. Kann man auch mit normalen Linsen (6,3 cm Durchmesser) auf die gleiche Helligkeit kommen, wenn man ein perfektes und lichtstarkes Objektiv und einen sehr großen Bildsensor mit nur 8.3 Megapixeln verwendet?

    6. Die rechteckige Gegenlichtblende ist von Camcorder zu Camcorder unterschiedlich groß. Macht die Größe dieser Blende einen Unterschied? Hat man einen Vorteil, wenn man auf einen Camcorder mit kurzer Gegenlichtblende eine längere montiert?

    7. Wenn man ein starkes Richtmikrofon benutzt, das auf dem Camcorder montiert ist und ein Interview auf der Straße macht, kann der Kameramann dann noch gehört werden oder hört man seine Stimme schwächer?

    Vielen Dank im Voraus

  2. #2
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    In aller Kürze:

    1. Ein Objektiv hat die Brennweite, die der Konstrukteur dafür vorsieht. Die Baugröße hängt hauptsächlich davon ab, wie lichtstark die Optik sein soll und für welche Sensorgröße sie gedacht ist. 35mm ist übrigens nicht generell die Normalbrennweite, sondern nur bei Kameras mit APS-C/Super35-Sensorgröße.

    2. Doppelter Linsendurchmesser bei gleicher Dicke? Was hat das alles mit der Brennweite zu tun?

    3. Von welchen Dioden redest du?

    4. Der größere Sensor ist theoretisch lichtstärker, entscheidender ist jedoch eigentlich die Größe der lichtempfindlichen Elemente darauf. Abgesehen davon, erlaubt ein größerer Sensor (weil man mit ihm für denselben Bildausschnitt längere Brennweiten verwendet) bei Bedarf eine geringere Schärfentiefe. Das ist ein Vorteil, wenn die gewünscht wird, und ein Nachteil, wenn sie nicht gewünscht ist. Außerdem sind die Objektive meist größer und schwerer als bei einer Kamera mit kleinerem Sensor - auch das kann vor- oder nachteilig sein.

    5. Es gibt keinen "normalen" Linsendurchmesser von 6,3cm, sondern auch hier findet man Unterschiede. Aber wie du richtig erkannt hast, spielen eine ganze Reihe von Kriterien zusammen: die Lichtstärke der Optik, die durchaus veränderbare Empfindlichkeit des Sensors und die Signalverarbeitung im Prozessor der Kamera. Das Ganze ist viel komplexer als "große Linse = viel Licht". Immerhin spielt auch die Brennweite eine große Rolle dabei.

    6. Ideal ist immer die Streulichtblende, die am besten an den Bildwinkel des Objektivs angepasst ist. Eine zu lange ist problematisch, weil sie dann ins Bild ragt und die Ecken abdunkelt, eine zu kurze bleibt dagegen wirkungslos.

    7. Das kommt auf die Umstände und das Mikrofon an. Völlig ausblenden können wird man die Stimme des Kameramanns nicht.
    Geändert von Bernd E. (10.01.2017 um 09:02 Uhr)

  3. #3
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    2. Das ist eigentlich meine Frage. Heißt das, es macht keinen Unterschied, ob die Linsen-Stärke gleich bleibt oder dicker ist? Oder gibt es da einen Unterschied in der Bildqualität (immerhin wird das Licht schwächer, wenn es z.B. durch mehrere Linsen gehen muß)?

    3. Ich meine die Dioden auf einem Bildsensor.

    4. Kann man mit einem sehr großen Bildsensor die gleiche Schärfentiefe erreichen, wie mit einem kleinen Bildsensor? Denn es geht ja nur um das Verhältnis zwischen dem Bildkreis und dem Sensor. Angenommen, man nimmt ein Normalobjektiv mit nur 3 Linsen und einen sehr großen Crop-Bildsensor (größer als ein Super35 Exmor), kann man das dann so zusammenstellen, daß man eine hohe Schärfentiefe erreicht?

    7. Es geht mir nicht darum, die Stimme des Kameramannes auszublenden, sondern um genau das Gegenteil. Ich möchte, daß der Kameramann genauso klar und laut zu hören ist, wie der Interview-Partner. Gibt es Mikrofone, die vorne und hinten gleichzeitig aufnehmen?

  4. #4
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    2. Diese Frage kann dir vermutlich nur ein Objektivkonstrukteur beantworten, denn es gibt verschiedene Linsenformen und unzählige verschiedene Glas- bzw. Kunststoffqualitäten, die wiederum auf unzählige verschiedene Arten kombiniert, vergütet oder mehrfachvergütet sein können. Für die praktische Arbeit mit einer Kamera sind solche speziellen Details glücklicherweise belanglos, denn da ist allein entscheidend, wie das Bild aussieht.

    3. Ob es da eine physikalische Obergrenze gibt, weiß ich nicht, aber im Kamerabereich dürfte sie sowieso ohne Bedeutung sein. Hier geht es quasi immer um den bestmöglichen Kompromiss aus gegeneinander arbeitenden Kriterien - in diesem Fall die Größe einer Fotozelle und ihre Anzahl auf dem Sensor: Je größer das eine, desto geringer das andere.

    4. Das geht durchaus, indem man einfach stärker abblendet. Andernfalls könnte man zum Beispiel mit Vollformatkameras ja keine Aufnahmen machen, die von vorne bis hinten scharf sind. Die Anzahl der Linsen im Objektiv hat damit allerdings nichts zu tun.

    7. Soweit ich weiß, gibt oder gab es für manche Consumerkameras in der Tat solche Mikrofone, aber genaueres weiß ich nicht. Auch ein übliches Richtmikro wird aber die Stimme des Kameramannes mit aufnehmen - ob genauso laut wie die des Interviewten, hängt vom Einzelfall ab. Ideal ist so ein Konstrukt freilich nicht, aber für Straßeninterviews ohne allzugroßen Anspruch mag es reichen.

  5. #5
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    1) Die Brennweite hängt von Krümmung und Brechungsindex der verbauten Linsen ab, nicht direkt von der Größe des Objektivs. Vergrößert man den Durchmesser bei gleichbleibender Krümmung, wird das Objektiv lichtstärker, aber die Brennweite bleibt. Die Länge ergibt sich häufig indirekt aus der Brennweite, denn der Nodalpunkt (optische Mittelpunkt) des Objektivs muss mindestens so weit weg vom Sensor, wie es der Brennweite entspricht (außer bei sogenannten Retrofokus-Konstruktionen).

    4) Größere Sensoren haben auch weniger Rauschen bei niedrigen ISO-Einstellungen, also ein noch klareres Bild (z. B. ohne Grieseln im blauen Himmel). Die Hersteller kaschieren den Unterschied bei Kameras mit kleinen Sensoren meist durch interne Rauschunterdrückung, so dass er nicht auf den ersten Blick auffällt. Wobei man fairerweise sagen muss, dass das Thema fürs Filmen eh nicht so relevant ist wie fürs Fotografieren.

    5) Ein Objektiv kann nur lichtstark sein, wenn auch die Frontlinse entsprechend groß ist. Zum Beispiel wenn die Brennweite 100 mm beträgt und man Lichtstärke 2 haben möchte, muss die Frontlinse mindestens 50 mm Durchmesser haben.
    Die Größe der einzelnen Pixel hat hingegen wenig Einfluss auf die Lichtempfindlichkeit - auch wenn man häufig noch was Anderes liest. Das liegt daran, dass moderne Sensoren über Microlinsen verfügen und damit auf einen hohen Füllfaktor kommen (d. h. wenig ungenutzte Stege zwischen den Pixeln). Fürs Gesamt-Rauschen ist es relativ egal, ob man von einer hohen Auflösung runterrechnet (dann verringert sich das Rauschen durch Mittelung) oder ob die einzelnen Pixel mehr Licht einfangen. Entscheidend ist immer die Gesamtfläche des Sensors.
    Ausnahmen sind allerdings Kameras, die ihren hochauflösenden Sensor im Videomodus gar nicht ganz auslesen können, sondern "Lineskipping" machen. Wenn z. B. nur jede dritte Zeile ausgelesen wird, hat man natürlich auch nur ein Drittel der Lichtempfindlichkeit des Sensors. Das ist bei vielen DSLRs der Fall. Daher kann es für Videozwecke günstiger sein, einen Sensor mit weniger Pixeln zu verwenden, der dafür dann vollständig ausgelesen wird (Beispiel Sony A7S - die ja auch ausdrücklich mit "Full Sensor Readout" beworben wird, weil es die Parallelmodelle A7/R nicht können).

    Für die Gesamt-Lichtempfindlichkeit einer Kamera kommt es immer auf zwei Faktoren an: die tatsächlich genutzte Sensorfläche und die Lichtstärke des Objektivs. Man kann einen kleinen Sensor ggfs. durch lichtstärkere Objektive ausgleichen, oder lichschwächere Objektive durch größere Sensoren. Allerdings kann man die Physik nicht überlisten: Die Blendenzahl ist ja laut Definition abhängig von der Brennweite, und die tatsächlich genutzten Brennweiten sind bei Kameras mit großen Sensoren entsprechend größer. Deswegen variieren Größe und Gewicht der benötigten Objektive kaum, wenn man am Ende die gleiche Menge Licht einfangen soll.

    6) Die Blenden sind immer auf die kürzeste Brennweite des Zooms abgestimmt. Für lange Brennweiten wären engere Gegenlichtblenden natürlich vorteilhaft.

    7) Du hast zwar die stärkere Richtwirkung nach vorn, aber dafür ist der Kameramann näher dran. Das gleicht sich fast aus, oder kann den Kameramann im Einzelfall sogar lauter als den Interviewpartner machen. Richtwirkung darf man nicht überschätzen; die hilft ein bisschen, aber eben nicht mehr. Auch nach hinten und zur Seite wird noch sehr viel eingefangen.
    Hier sei noch angemerkt, dass ein Richtmikrofon, das auf der Kamera montiert ist, für Interviews allenfalls ein Notbehelf sein kann. Man sollte dann recht nah an die Person rangehen und auf jeden Fall ein hochwertiges Richtmikro verwenden (mind. Rode NTG2 oder Sennheiser MKE600).

  6. #6
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    Vielen Dank für diese ausführliche Antwort.

  7. #7
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    Zitat Zitat von beiti Beitrag anzeigen
    ... Die Größe der einzelnen Pixel hat hingegen wenig Einfluss auf die Lichtempfindlichkeit ...
    ... Entscheidend ist immer die Gesamtfläche des Sensors.
    Hmmm ..

    Bsp. Sony A7-Serie.
    Die Kameras haben alle einen Vollformat-Sensor von 36mm x 24mm.
    Aber die Anzahl Pixel unterscheidet sich:

    A7 S: 12 Millionen Pixel
    A7: 24 Millionen Pixel
    A7 R: 42 Millionen Pixel

    Und die A7 S ist die lichtstärkste von allen.
    Sie hat auf gleicher Fläche die wenigsten, also grössten Pixel.

    Das kann nicht allein am "Fulll Sensor Readout" liegen, denn es gilt ja auch für Foto - da wird für maximale Pixel-Auflösung immer der ganze Sensor ausgelesen.

    Fazit: Auch die Pixelgrösse zählt!

  8. #8
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    Zitat Zitat von Skeptiker Beitrag anzeigen
    Und die A7 S ist die lichtstärkste von allen.
    Sie hat auf gleicher Fläche die wenigsten, also grössten Pixel.

    Das kann nicht allein am "Fulll Sensor Readout" liegen, denn es gilt ja auch für Foto
    Ja, zumindest bei den höheren ISOs. Bei niedrigeren ISOs sind die Bilder der höheraufgelösten Modelle etwas sauberer/rauschärmer.
    Ich denke, das kann man nicht allein auf die Pixelzahl zurückführen, sondern auch auf andere Konstruktionsmerkmale. Der Sensor der A7S ist hochgezüchtet in Richtung hoher ISOs.
    Abgesehen davon ist im Foto-Modus der Vorsprung auch nicht riesig (weniger als 1 Blendenstufe - also eine Größenordnung, die man auch schon zwischen zwei Sensorgenerationen oder zwischen vergleichbaren Sensoren verschiedener Hersteller beobachten konnte)). Im Videomodus ist er viel deutlicher.

  9. #9
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    Zitat Zitat von beiti Beitrag anzeigen
    Die Größe der einzelnen Pixel hat hingegen wenig Einfluss auf die Lichtempfindlichkeit - auch wenn man häufig noch was Anderes liest. Das liegt daran, dass moderne Sensoren über Microlinsen verfügen und damit auf einen hohen Füllfaktor kommen (d. h. wenig ungenutzte Stege zwischen den Pixeln). Fürs Gesamt-Rauschen ist es relativ egal, ob man von einer hohen Auflösung runterrechnet (dann verringert sich das Rauschen durch Mittelung) oder ob die einzelnen Pixel mehr Licht einfangen. Entscheidend ist immer die Gesamtfläche des Sensors..
    Klar, das Rauschen lässt sich durch Binning minimieren, aber an irgendein Punkt ist die Lichtempfindlichkeit der kleinen Pixel zu gering, um bei entsprechend schlechter Beleuchtung neben dem Rauschen noch sowas wie ein Signal zu erzeugen.

  10. #10
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